Terrorverdacht

Bombenalarm in Pariser Luxuskaufhaus

Ausland
16.12.2008 16:50
Eine bisher unbekannte Gruppierung hat inmitten des Weihnachtsgeschäfts fünf Sprengsätze im Pariser Luxuskaufhaus Printemps Homme deponiert. Nach Angaben der französischen Innenministerin Michèle Alliot-Marie handelte es sich dabei um "relativ alte Dynamitstangen" ohne Zünder. Die Gruppe mit dem Namen "Afghanische Revolutionsfront" hat den Abzug der französischen Truppen aus Afghanistan bis Ende Februar 2009 verlangt und mit Anschlägen gedroht.

Es habe keine unmittelbare Explosionsgefahr bestanden, sagte die Ministerin. Staatspräsident Nicolas Sarkozy rief die Bevölkerung gleichwohl zur Vorsicht auf. "Ich appelliere an alle, sehr vorsichtig und sehr maßvoll zu sein", sagte er in Straßburg und bekräftigte zugleich seine Entschlossenheit, den Terrorismus zu bekämpfen. "Man verhandelt nicht mit Terroristen, man bekämpft sie."

Kein Anschlagsversuch
Die Gruppierung hatte in einem Bekennerschreiben, das an die französische Nachrichtenagentur AFP gesendet worden war, die genaue Lage der Sprengsätze angegeben. Die Polizei ging deshalb von einer Warnung aus und nicht von einem Anschlagsversuch. Nach dem Eingang des Schreibens wurde das auch bei ausländischen Touristen beliebte Kaufhaus nahe der Pariser Oper evakuiert und das Viertel abgeriegelt. Die Behörden fanden aufgrund des Schreibens die Sprengsätze auf den Toiletten des Kaufhaus-Gebäudes für Herrenmode.

Keine religiösen Worte im Bekennerschreiben
Im Bekennerschreiben der bisher unbekannten Organisation kommen Worte wie "Allah", "Ungläubige" oder "Heiliger Krieg" nicht vor. Stattdessen sprechen die Täter im Stil linker Gruppen von "euren großen kapitalistischen Kaufhäusern". Mit der Rhetorik des französischen Republikgründers General Charles de Gaulle beenden die Täter ihr Schreiben mit: "Es lebe das Freie Afghanistan". Wer steckt also hinter der Forderung der Täter, die Franzosen sollten ihre Truppen bis Ende Februar 2009 aus Afghanistan abziehen? "Wir müssen extrem vorsichtig mit unseren Reaktionen sein", sagte Präsident Nicolas Sarkozy.

Ministerin warnt vor Panik
Experten begannen mit der Analyse der Sprengsätze. Es werde nach weiteren Bomben gesucht, verlautete zunächst aus Polizeikreisen. Alliot-Marie erklärte wenig später, das Kaufhaus könne wohl am Nachmittag wieder öffnen. Die Innenministerin warnte vor Panik: Der Absender der Erklärung sei den Geheimdiensten bisher völlig unbekannt "und das Schreiben könnte auf eine falsche Fährte führen". Erst vor wenigen Tagen hatte sie vor einer erhöhten Terrorbedrohung aus Afghanistan gewarnt.

Populärer Konsumtempel
Das Printemps gehört zu den berühmtesten Konsumtempeln der französischen Hauptstadt und mit den Galeries Lafayette zu den "Grand Magazins" am Boulevard Haussmann. Das Viertel ist eines der größten innerstädtischen Einkaufszentren in Europa und zieht vor allem in der Vorweihnachtszeit Hunderttausende Touristen aus dem In- und Ausland an. Erst vor acht Tagen waren die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden.

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