Mord im Café

Drei Jahre Haft für Rotlicht-Größe

Wien
29.11.2008 18:17
Nach mehrwöchiger Verhandlungsdauer ist im Straflandesgericht der Prozess gegen einen Lokalbesitzer zu Ende gegangen, der im Mordfall Café "Cappuccino" Zeugen eingeschüchtert und zu falschen Aussagen genötigt haben soll. Bei der wilden Schießerei in dem Lokal in Hernals war im Jahr 2006 ein 32-Jähriger tödlich getroffen worden, der Schauplatz glich einem Schlachtfeld (Bild). Für den 41-jährigen Munir "Muki" F. aus dem früheren Ex-Jugoslawien, der als Rotlicht-Größe gilt, gab es nun ein böses Erwachen: Er wurde zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Der Schöffensenat (Vorsitz: Claudia Moravec-Loidolt) sprach "Muki", wie er in der Szene genannt wird, wegen schwerer Erpressung, Nötigung, und Bestimmung zur Falschaussage bzw. Verleumdung schuldig. Der 41-Jährige, der sämtliche Vorwürfe abgestritten hatte, meldete dagegen Rechtsmittel an. In Berufung ging allerdings auch Staatsanwältin Michaela Schnell: Bei einem Strafrahmen von bis zu zehn Jahren erschien ihr die verhängte Strafe zu gering, zumal "Muki" erst vor wenigen Monaten in einem anderen Verfahren wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung zu drei Jahren verurteilt worden war.

Wilde Schießerei forderte Todesopfer
Bei einer wilden Schießerei im - mittlerweile umbenannten - Café "Cappuccino" in Hernals war am 30. Mai 2006 ein 32-jähriger Lokalbesucher ums Leben gekommen. Ein weiterer Mann wurde schwer verletzt. Auch Munir F. zählte in der bleihaltigen Nacht zu den "Cappuccino"-Gästen, und dem nunmehrigen, nicht rechtskräftigen Urteil zufolge behinderte er - aus welchen Gründen auch immer - Polizei und Justiz massiv bei der Suche nach dem Mörder.

Demnach soll er nach der Schießerei Zeugen unter Druck gesetzt und damit den Tatverdacht auf einen 39-jährigen Kosovo-Albaner gelenkt haben, der schließlich als vermeintlicher Mörder in U-Haft kam. In Prozess gegen den angeblichen Schützen brach dann jedoch das von "Muki" errichtete Indiziengebäude zusammen. Die Staatsanwältin musste die Anklage zurückziehen, weil mehrere Zeugen ihre bisherigen Angaben nicht mehr aufrecht erhielten. Der 39-Jährige wurde nach eineinhalbjähriger U-Haft freigesprochen.

Nach der Enthaftung des Kosovo-Albaners soll "Muki" nervös geworden sein und neuerlich damit begonnen haben, Zeugen zu "präparieren". Im Prozess präsentierte sein Verteidiger Farid Rifaat jetzt mehrere Häftlinge, die behaupteten, der Kosovo-Albaner habe ihnen gestanden, im "Cappuccino" geschossen zu haben. Diese Angaben erschienen dem Gericht jedoch unglaubwürdig bzw. hielten sie nicht das, was sich die Verteidigung von ihnen versprochen hatte.

Suspendierter Chefinspektor unter Druck
Einer der zur Entlastung von "Muki" aufgebotenen Zeugen zündete jedoch eine mögliche Bombe. Munir F. dürfte mit einem mittlerweile suspendierten Chefinspektor der Kriminaldirektion (KD) 1 bestens bekannt, wenn nicht gar befreundet gewesen sein. Der Zeuge behauptete nun, in den Ermittlungen im Fall "Cappuccino" eine Aussage gemacht zu haben, in der er unter anderem Angaben über den möglichen Schützen getätigt habe. Der Chefinspektor hätte jedoch das Protokoll danach zerrissen.

Tatsächlich stießen dieser Behauptung nachrecherchierende Ermittler des Büros für Interne Angelegenheiten (BIA) in einem Polizeicomputer auf Spuren der entsprechenden Niederschrift, die nie ans Gericht weitergeleitet worden war. Sie fand sich auch nicht im Handakt des Bundeskriminalamts. Und ein Polizist, der auf die brisante Aussage des Häftlings vernommen wurde, bestätigte, sich daran erinnern zu können, wie der Chefinspektor ein Papier vernichtet habe.

Illegale Abfragen aus dem Polizeicomputer
Für den Spitzenbeamten, gegen den die Staatsanwaltschaft Korneuburg bereits seit Monaten ermittelt, dürfte es nun immer enger werden. Der Mann, der zahlreiche freundschaftliche Kontakte ins Rotlicht unterhalten haben soll - laut Telefonüberwachung nannte ihn eine stadtbekannte Gürtel-Größe "Schatzi" - soll unter anderem illegale Abfragen aus dem Polizeicomputer getätigt und weitergegeben haben.

Auch von privaten Geschäften des ranghohen Fahnders mit der Unterwelt bekam das BIA zu hören. Der Chefinspektor soll sogar so weit gegangen sein, in einem Lokal von seiner Lebensgefährtin besorgte gefälschte Markenwaren - nämlich Textilien der Firmen "Gucci" und "Louis Vuitton" - verkauft zu haben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen unter anderem in Richtung Amtsmissbrauch, Geschenkannahme, Betrug, Begünstigung, und Hehlerei.

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