Diplomat behauptet:

“Kriegsschuld liegt bei georgischer Regierung”

Ausland
26.11.2008 19:04
Für den Krieg um die abtrünnige georgische Region Südossetien ist nach Ansicht eines georgischen Diplomaten die Regierung in Tiflis verantwortlich. Georgien habe offensichtlich Signale aus Washington missverstanden und geglaubt, die USA unterstützten ihre Militäraktion, erklärte Erosi Kitsmarischwili, der bis kurz vor Kriegsbeginn Anfang August georgischer Botschafter in Moskau war. Georgische Politiker warfen ihm am Mittwoch vor, die Position Russlands einzunehmen.

Georgische Beamte hätten damals die Auffassung vertreten, dass US-Präsident George W. Bush hinter dem Militärschlag stehe, sagte Kitsmarischwili vor Journalisten in Tiflis. Genau dies sei ihre Interpretation eines Washington-Besuchs des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili im vergangenen März gewesen. 

Fehleinschätzung durch Beamte
Auch der Besuch von US-Außenministerin Condoleezza Rice in Tiflis Mitte Juli sei als Ermutigung für einen Angriff auf Südossetien ausgelegt worden. Dies habe sich jedoch als Fehleinschätzung erwiesen, wie US-Diplomaten ihm bestätigt hätten, erklärte Kitsmarischwili.

Die USA haben stets dementiert, Georgien zu dem Angriff ermutigt zu haben. Georgische Truppen marschierten am 7. August mit der Begründung nach Südossetien ein, Separatisten hätten georgische Dörfer unter Beschuss genommen, während Russland seine Stellungen in der abtrünnigen Region ausgebaut habe. Die Regierung in Moskau erklärte, sie habe russische Staatsbürger vor dem georgischen Angriff schützen müssen. 

Ukraine fürchtet ähnliche "Schutzmaßnahmen"
Angst vor ähnlichen russischen "Schutzmaßnahmen" hat offenbar die ukrainische Militärführung. Diese plant nämlich als Reaktion auf den August-Krieg im Südkaukasus die Verlegung von Truppen an die Grenzen zu Russland. Der Konflikt zwischen Georgien und Russland vom Sommer mache die neuen Sicherheitsvorkehrungen nötig, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Juri Jechanurow nach Angaben der Kiewer Zeitung "Delo". Laut dem Blatt werden Luftwaffen- und Flugabwehreinheiten an die Ost- und Südgrenze verlegt.

In der Frage einer Bedrohung durch Russland ist die prowestliche Führung in Kiew gespalten. Präsident Viktor Juschtschenko sieht sein Land im Gegensatz zu Regierungschefin Julia Timoschenko von Russland bedroht. Dabei fürchtet Juschtschenko nach dem Beispiel des russischen Einmarsches in Georgien vor allem einen möglichen Angriff Moskaus zur Einnahme der von vielen Russen bewohnten Halbinsel Krim. Auch deshalb verlangt er einen raschen NATO-Beitritt, den die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung aber ablehnt.

Russland schwer verärgert
Der ukrainische Generalstabschef Sergej Kiritschenko lehnte es laut "Delo" unter Verweis auf das Militärgeheimnis ab, Details der Truppenverlegung zu nennen. Regierung und Präsident müssen die Pläne noch absegnen. Russland hat die Kiewer Vorwürfe einer geplanten Militäroperation gegen das "Brudervolk" als Versuch zurückgewiesen, antirussische Stimmungen zu schüren.

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