Gewalt eskaliert
NATO will mehr Soldaten für Afghanistan
Vor allem im Süden und im Osten Afghanistans seien die Taliban deutlich aktiver geworden. Dort sei die Sicherheitslage schlechter als im Vorjahr. "Der Aufstand ist auf die gleichen Regionen wie bisher beschränkt, aber er ist schwieriger und härter geworden", sagte Craddock in Mons (Belgien).
"Der Aufstand ist wirklich giftiger und spielt sich mit schnellerem Tempo ab als vor einem Jahr. Wir haben jeden Tag, jede Woche und jeden Monat mehr Auseinandersetzungen." Die Zahl der Zusammenstöße zwischen Soldaten der ISAF und der afghanischen Streitkräfte sei um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Genauere Zahlenangaben machte er nicht. "Wo der Aufstand im Süden und Osten Fuß gefasst hat, ist er aggressiver als im Vorjahr. Und 2007 hatte das auch schon zugenommen."
Rein militärische Lösung unmöglich
Die Taliban versuchten mit allen Mitteln, die Aufbauerfolge des neuen afghanischen Staates zu zerstören. "Sie verstehen, dass sie umso weniger Einfluss in diesen Gegenden haben, je erfolgreicher wir sind." Craddock betonte, eine rein militärische Lösung in Afghanistan sei nach wie vor nicht denkbar. Die Hilfe zu Entwicklung, zivilem Aufbau und der Schaffung einer funktionierenden Regierung und Verwaltung müsse weiter verstärkt werden.
Die von der NATO geführte ISAF braucht nach Ansicht der militärischen Führung drei zusätzliche Brigaden als Kampfeinheiten und eine Brigade zur Absicherung der Polizeiausbildung. Dies bedeute jeweils etwa 3.500 Mann pro Brigade sowie etwa 1.500 Soldaten als Unterstützungskräfte. Er rechne nicht damit, dass außer den USA ein anderes NATO-Land in der Lage sein werde, eine Brigade zu stellen, sagte Craddock. Da die 26 NATO-Staaten derzeit nämlich 60.000 Soldaten in verschiedenen Operationen im Einsatz hätten, sei das Reservoir an Streitkräften "erheblich ausgetrocknet", so der General.
Obama will US-Streitkräfte verstärken
Der künftige US-Präsident Barack Obama will den Afghanistan-Einsatz zu einer seiner außenpolitischen Prioritäten machen. Beobachter erwarten daher einen zunehmenden Druck auf die Bündnispartner, ebenfalls mehr Soldaten in den Krisenstaat zu schicken. Craddock begrüßte die von Obama angekündigte Verstärkung der US-Streitkräfte in Afghanistan. "Ich hoffe, dass dies dazu führt, dass wir auch aus anderen Staaten zusätzliche Beiträge bekommen."
US-Truppen gaben indes die Tötung von sieben Aufständischen in der afghanischen Provinz Ghazni bekannt. Die Soldaten seien beschossen worden, als sie den mutmaßlichen Unterschlupf eines Anführers der radikalislamischen Taliban durchsuchen wollten, teilte die US-geführte Koalition am Montag mit. Demnach erwiderten die US-Soldaten das Feuer und töteten sieben Taliban-Kämpfer in dem Gebäude. In dem Haus seien zahlreiche Waffen und Materialien zum Bau von Bomben gefunden worden.
UNO-Sicherheitsrats-Delegation in Kabul
Eine Delegation des UNO-Sicherheitsrats landete am Montag in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Der Sicherheitsrat werde der afghanischen Regierung seine Unterstützung aussprechen und die Fortschritte des Landes in Bereichen wie Menschenrechte und Sicherheit sowie sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung untersuchen, teilte die UNO mit. Während des dreitägigen Aufenthalts soll die aus Vertretern aller 15 Mitgliedsstaaten im Sicherheitsrat zusammengesetzte Delegation auch mit Präsident Hamid Karzai zusammenkommen.
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