Streit in Italien

Fall Englaro nun vor Menschenrechts-Gerichtshof

Ausland
21.11.2008 15:26
Das Schicksal der Koma-Patientin Eluana Englaro beschäftigt jetzt auch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Nach einer Aufforderung von 34 katholischen Verbänden, die Eluana am Leben erhalten wollen, eröffnete der Gerichtshof in Straßburg ein Dossier über die 37-Jährige aus der norditalienischen Stadt Lecco, die seit einem Autounfall im Jahr 1991 im Wachkoma liegt. Eluanas Vater Beppino Englaro (linkes Bild) hat vor dem Höchstgericht in Italien durchgesetzt, dass seine Tochter sterben darf. Der Gerichtshof ordnete kein Schnellverfahren zur Überprüfung des Falles an, sondern entschloss sich für die normale Prozedur. Einstweilige Verfügung wurde keine ausgesprochen.

"Wir hoffen, dass sich das Gericht sobald wie möglich zum Fall äußert", sagte die Rechtsanwältin der 34 Verbände, Rosaria Elefante. Die Verbände hoffen, dass der Europäische Gerichtshof sich gegen ein Urteil des römischen Kassationsgerichts einschaltet, das dem Vater der Frau vergangene Woche das Recht auf Aussetzung der Ernährung für die 37-Jährige zugesprochen hat.

Die Initiative des Gerichtshofs wurde von der Unterstaatssekretärin im Gesundheitsministerium, Eugenia Roccella, begrüßt. "Offenkundig ist der Europäische Gerichtshof der Auffassung, dass Elemente für einen Einspruch gegen das Urteil des römischen Kassationsgerichts bestehen, das dem Vater Eluanas das Recht zur Aussetzung der Ernährung zugesprochen hat", kommentierte Roccella.

Diskussion um Aussetzung der künstlichen Ernährung
Der Oberste Rat für die Gesundheit (CSS), ein wissenschaftliches Beratungsorgan des italienischen Gesundheitsministeriums, warnte inzwischen, dass Eluana de facto einer Euthanasie unterzogen würde, sollte die künstliche Ernährung ausgesetzt wird. "Eluana wird nicht an einer Krankheit, sondern an Hunger und Durst sterben. Welchen Unterschied gibt es zwischen Euthanasie und Mord? Ich finde, dass Eluanas Tod ein gefährlicher Präzedenzfall für alle irreversiblen Kranken in Italien darstellen würde", sagte CSS-Präsident Franco Cuccurullo.

Vater möchte sich zurückziehen
Beppino Englaro lässt sich nicht entmutigen. "Ich weiß, dass man alles unternehmen wird, um mir Steine in den Weg zu legen. Es ist ein endloses Spiel. Ich werde aber schweigend meinen Weg fortsetzen", so Englaro. Von nun an werde er jeglichen Kontakt zu den Medien abbrechen. "Ich danke den Medien für die Hilfe und die Unterstützung, die sie mir in all diesen Jahren gegeben haben, doch jetzt denke ich, ist es besser, wenn ich nicht mehr spreche", sagte Beppino Englaro, der seit 1999 für die Aussetzung der künstlichen Ernährung kämpft, die Eluana am Leben hält. Angeblich möchte Englaro seine Tochter in aller Stille fernab des Medienrummels sterben lassen - möglicherweise sogar in Österreich (siehe Infobox).

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