15 Tote anno 2006
Ingenieur wegen Eishallen-Einsturz verurteilt
Unmittelbar nach dem Urteilsspruch kündigte der Verteidiger des Konstrukteurs an, Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe einzulegen. Auch die Staatsanwaltschaft prüft, nach Vorliegen der schriftlichen Urteilsgründe die nächste Instanz anzurufen. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.
Drei Fehler des Konstrukteurs
Der Konstrukteur des Daches für die in den 70er-Jahren errichtete Halle hat nach Überzeugung des Gerichts zwei Planungs- und einen Überwachungsfehler begangen. Erstens habe der Bauingenieur eine falsche statische Berechnung des Daches erstellt. Zweitens habe der Angeklagte die Höhe der Dachbalken statt der genehmigten 1,20 Meter mit tatsächlich 2,87 Metern erheblich überschritten und damit "massiv gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen". Und drittens hätte er die beteiligten Baufirmen bei der Montage der Balkenteile kontrollieren müssen.
Architekt und Gutachter freigesprochen
Dem ebenfalls angeklagten Architekten konnte in dem fast zehnmonatigen Mammut-Verfahren dagegen keine Schuld nachgewiesen werden. Der heute 64-Jährige habe bei Errichtung der Halle nicht, wie von der Staatsanwaltschaft behauptet, die Funktion des örtlichen Bauleiters gehabt. Auch musste er sich nach Überzeugung des Gerichts nicht um das Vorliegen der Prüfstatik kümmern. Das Fehlen dieses wichtigen Dokumentes spielte in dem Prozess eine zentrale Rolle. Der Architekt wurde daher vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.
Überraschend sprach das Gericht auch den Gutachter frei, der noch drei Jahre vor dem Einsturz der Halle dem Gebäude einen guten Zustand bescheinigt hatte. Vernehmungen von Zeugen aus der Reichenhaller Stadtverwaltung hätten ergeben, dass der 55-Jährige kein Standsicherheitsgutachten, sondern lediglich eine Kostenschätzung für eine Gebäudesanierung habe abgeben sollen. Dass er eine exakte Untersuchung der maroden Dachträger unterlassen habe, sei nicht ursächlich für den Einsturz der Eissporthalle gewesen.
Katastrophe nach tagelangem Schneefall
Am 2. Jänner 2006 waren zwölf Kinder und Jugendliche sowie drei Mütter ums Leben gekommen. 34 Personen wurden verletzt, sechs von ihnen schwer. Das Hallendach war nach tagelangem Schneefall eingebrochen.
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