Es wird blutig...

Gears of War 2

Spiele
07.11.2008 09:36
Mit weltweit über fünf Millionen Stück verkaufter Einheiten zählt "Gears of War" zu den erfolgreichsten Spielen für Microsofts Xbox 360. Die Geschichte um Marcus Fenix, der es mit einer Handvoll Raubeinen gegen die Brut der Locust aufnimmt, riss 2006 Presse wie Publikum gleichermaßen zu Jubelstürmen hin. Mit "Gears of War 2" steht ab sofort die lang ersehnte Fortsetzung in den Regalen. Krone.at hat das Game bereits durchgespielt und verrät dir, was dich erwartet…

Sechs Monate sind vergangen, seit Marcus und seine Kollegen vom Delta Squad die Locust bei Timgad geschlagen haben. Aber die in Höhlen unter der Erde hausende Brut überlebte und präsentiert sich in Teil zwei stärker denn je. Als immer mehr Städte der neuen Bedrohung zum Opfer fallen, bleibt den Soldaten der KOR nur noch eine Wahl: Angriff. Einen Innovationspreis werden die Entwickler von Epic Games für diese Handlung zwar nicht bekommen, dennoch hält die Geschichte einige interessante, teils dramatische, zum Teil auch amüsante Wendungen für den Spieler parat. Man könnte sogar sagen, dass "Gears of War 2" über weite Strecken eine Liebesgeschichte ist.

Aber keine Angst: Natürlich haben Marcus und seine vor lauter Muskeln des Laufens kaum noch fähigen Kameraden trotz einiger Romantik-Anleihen ihr brutales Handwerk nicht verlernt, so dass es auch in der Fortsetzung überaus bleihaltig und blutig zur Sache geht. Kenner des ersten Teils finden sich auf Anhieb auf dem Schlachtfeld zurecht, wurde die Steuerung doch größtenteils beibehalten: Links zielen, rechts schießen, mit dem rechten Bumper aktiv nachladen, mit "A" von einer Deckung zur nächsten hechten und mit "B" im Nahkampf austeilen – mehr braucht es für "Gears of War 2" eigentlich nicht. 

Wer das optionale Tutorial zu Beginn des Spiels durchläuft, wird allerdings feststellen, dass doch ein paar Neuerungen ihren Weg ins Spiel gefunden haben. So können etwa verwundete Gegner neuerdings als Schutzschild verwendet werden. Die stählernen Schilder der ziemlich hässlichen, große Morgensterne schwingenden Boomer bieten allerdings einen wesentlich besseren Schutz: Auf Knopfdruck in den Boden gerammt, geben sie selbst im offenen Feld eine respektable Deckung ab. Nachteil der Schilde: Während des Tragens muss sich der Spieler mit einer vergleichsweise schwachbrüstigen Handfeuerwaffe begnügen. 

Ebenfalls neu sind die sogenannten "Kettensägenduelle", in denen im Nahkampf durch schnelles Knöpfchen-Drücken bewiesen werden muss, wer die stärkeren Oberarme hat. Zieht man selbst den Kürzeren und droht zu verbluten (erkennbar durch den sich rot färbenden Bildschirm), ist man zwar immer noch auf die rettende Hand eines Kameraden angewiesen, um ins Spiel zurückzukehren, kann nun aber mit allerletzter Kraft selbst noch einige Meter kriechen, um der Gefahrenzone zu entkommen. Dummerweise können sich so allerdings auch die Locust gegenseitig wieder auf Vordermann bringen, weshalb man stets lieber noch mal "nachschießen" sollte.

Damit wären wir auch schon beim Kapitel "Waffen" angelangt, welches ebenfalls ein paar Neuerungen bereit hält. So stehen in "Gears of War 2" neben den gewöhnlichen Frag-Granaten nun auch Rauch- und giftige Nebelgranaten zur Auswahl. Wer wagemutig genug ist, kann diese auf Knopfdruck an Gegnern, aber auch als Sprengfalle an Wänden oder Gegenständen befestigen. Neu im Repertoire ist auch der Flammenwerfer, der sich vor allem auf kurze Distanzen als äußerst effizient erweist. Nicht mithalten kann er allerdings mit dem Mulcher, einem großkalibrigen MG, und dem Mörser: Zwar lassen sich beide Waffen leider meist nur für kurze Zeit einsetzen, was noch dazu auf Kosten der Geschwindigkeit geht, die Feuerkraft ist allerdings enorm.

Letztere wird auch dringend benötigt, um die bevorstehenden Gefahren bewältigen zu können. Während es anfangs noch recht klassisch zu Fuß durch Feindesland geht, nimmt man bald darauf von Bord eines gewaltigen Kampfpanzers fliegende Reaver unter Beschuss, durchkämpft die Innereien eines gewaltigen Wurms, unternimmt eine Floßfahrt, prügelt sich mit einer Seeschlange, heizt mit einem Radpanzer über vereiste Seen und nimmt letzten Endes sogar auf dem Rücken eines gewaltigen Brumaks Platz, um die nun winzigen und in Panik fliehenden Locust unter Beschuss zu nehmen. Alles ist perfekt durchinszeniert - wer verschnaufen möchte, ist hier fehl am Platz.

In punkto Präsentation lässt "Gear of War 2" die Konkurrenz abermals weit hinter sich: Müsste man nicht ständig um das eigene Überleben kämpfen, man käme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Das postapokalyptische, teils offenbar auch vom "Herr der Ringe" beeinflusste Szenario überrascht mit unglaublich detaillierten und abwechslungsreich gestalteten Außen- wie Innenlevels, einer famosen Weitsicht, tollen Partikeleffekten und schmucken Explosionen. Musik und Sound stehen der Grafik dabei in nichts nach: Wenn das Kettensägenbajonett grimmig tuckert, Marcus den Fund einer Granate mit einem "Prima" quittiert und das Gegrunze der Locust aus jeder dunklen Ecke zu vernehmen ist, schlägt das Herz des Shooter-Freundes höher. Einziger Kritikpunkt: Die Sprüche der Gegner wiederholen sich recht oft.

Ist nach rund zwölf Stunden (mit höherem Schwierigkeitsgrad steigt die Spieldauer dementsprechend) die Einzelspielerkampagne beendet, ist das Abenteuer jedoch noch lange nicht vorbei. Mit bis zu vier weiteren Freunden kann die Kampagne im Koop-Modus noch mal durchlebt werden, darüber hinaus stehen insgesamt acht Mehrspieler-Modi zur Verfügung, in denen bis zu zehn Spieler in diversen Deathmatch- und Caputr-the-Flag-Varianten um die Vorherrschaft kämpfen. Neu ist der Wingman-Modus, bei dem fünf zweiköpfige Teams eine festgelegte Anzahl von Punkten erreichen müssen. Sämtliche Modi als auch Maps können vor dem Ernstfall auf dem virtuellen Übungsgelände im Kampf gegen computergesteuerte Bots erprobt werden.

Mit "Horde" steht abschließend noch ein gänzlich neuer Modus zur Auswahl, in dem bis zu fünf Spieler gegen Wellen verschiedener und zunehmend schwierigerer Feinde kämpfen müssen. Teamgeist und strategisches Vorgehen ist vonnöten, denn werden alle Spieler in derselben Welle getötet, ist das Spiel vorbei.

Fazit: Auch wenn sich Optik und Gameplay im Vergleich zum Vorgänger nur marginal geändert haben: Mit "Gears of War 2" ist Epic abermals ein großer Wurf gelungen, der Fans von der ersten Minute an vor die Konsole fesseln und dank längerer Spielzeit und umfangreicherem Multiplayer-Part auch nicht so schnell loslassen dürfte. Mit etwas Glück lässt sich so vielleicht die Wartezeit auf einen dritten Teil verkürzen: Wer am Ende des Abspanns genau aufpasst, erkennt Anzeichen auf eine weitere Fortsetzung...

Plattform: Xbox 360
Publisher: Microsoft
Krone.at-Wertung: 9/10


von Sebastian Räuchle

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