Kultspiel Reloaded

Sid Meier’s Civilization IV: Colonization

Spiele
03.11.2008 16:07
14 lange Jahre haben sich Freunde von Sid Meier's Kultspiel "Colonization" auf einen Nachfolger gedulden müssen. Nun endlich können Spieler wieder eine von vier Nationen auf den amerikanischen Kontinent führen, um bisher unbekannte Welten zu entdecken und zu besiedeln. Ständig ausgebeutet vom raffgierigen König des Mutterlandes, bleibt aber auch im Nachfolgerspiel die schlussendliche Revolution und damit die Unabhängigkeit unausweichlich.

"Colonization" beginnt wie das Original: Mit einem Segelschiff, das einen Pionier und einen Soldaten an Bord hat, landet man 1492 an der Küste eines bisher unbekannten Kontinents und sucht sich eine geeignete Umgebung für seine erste Siedlung. Geld verdient man, indem man die Rohstoffe des Landes ausbeutet, zu Waren weiterverarbeitet und schließlich mit Europa oder den Ureinwohnern Handel treibt. 

Mit der Zeit wächst die erste Stadt und man beginnt weitere Siedlungen zu gründen und mehr Rohstoffe und Waren zu erzeugen. Speziell ausgebildete Einheiten erhöhen die Ernte (etwa Baumwollpflanzer, Tabakpflanzer, Bauern etc.) oder die Anzahl der hergestellten Waren (Meisterweber, Zigarrendreher etc.). Das so ausgebaute neue Kolonialreich wächst rasch an Bevölkerung und Reichtum.

Einem kometenhaften Aufstieg als erfolgreicher Händler stünde also nichts im Wege, wenn da nicht auf der anderen Seite des Ozeans ein raffgieriger Tyrann sitzen würde, der auf die verkauften Waren immer höhere Steuern einhebt. Daher steigt in den Kolonien die rebellische Stimmung gegen die Fremdbestimmung, die durch den Einsatz von weisen Staatsmännern und speziellen Gebäuden (wie etwa Druckerpresse, Zeitung etc.) in den Städten weiter angestachelt werden kann. 

Sprechen sich im Kolonialreich mehr als 50 Prozent gegen den Monarchen in Europa aus, so kann jederzeit die Revolution gestartet und der Schritt in die Unabhängigkeit gewagt werden. Doch aufgepasst: Der König nutzt das aus den Kolonien gepresste Gold zum Aufbau einer gut ausgebildeten Armee, die den Rebellen in der neuen Welt einen Riegel vorschieben will.

Während sich das Gameplay also bis auf einige Neuerungen im Diplomatie-System nicht geändert hat, "erstrahlt" die Neuauflage des Strategieklassikers nun optisch in bisher nie dagewesener Pracht. Basierend auf der Civilization-IV-Engine, besticht der Titel im Vergleich zum Original aus dem Jahre 1994 durch eine Fülle liebevoller Details - wenngleich die Grafik natürlich in erster Linie mehr zweckmäßig denn wirklich atemberaubend ist. Immerhin wird so gewährleistet, dass auch Besitzer eines älteren Rechners (empfohlen wird ein Pentium IV mit 1,2 GHz sowie 512 MB Arbeitsspeicher) in den Genuss des Strategiespiels kommen. 

Auch ein Mehrspielermodus hat seinen Weg in die Neuauflage gefunden. Via LAN oder übers Internet können Spieler aus aller Welt um die Vorherrschaft "kolonisieren". Alternativ bietet der Titel auch einen Hot-Seat-Modus, bei dem abwechselnd vor einem PC gegeneinander gespielt werden darf, sowie eine E-Mail-Mehrspieler-Variante, in der nach jeder Runde wie beim Fernschach der Spielstand per E-Mail an den Mitspieler verschickt wird. 

Fazit: "Civilization IV: Colonization" erweckt das Kultspiel aus den 90er-Jahren mit moderner Grafik zu neuem Leben und bereitet jedem Fan von rundenbasierten Strategiespielen den von "damals" gewohnten Spielspaß – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Neuauflage vom alten Spielprinzip dankenswerterweise nicht allzu weit abweicht. Kopfzerbrechen bereiten leider einige doch sehr deftige Grafikprobleme (Stichwort: unsichtbare Einheiten), die hoffentlich bald durch Patches behoben werden. Bei einem Preis von unter 30 Euro ist angesichts des nach wie vor süchtig machenden Gameplays über diese Schwäche jedoch hinwegzusehen.

Plattform: PC
Publisher: 2K
Krone.at-Wertung: 8/10
 

von Michael Pils

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