Von Gigolo erpresst
BMW-Erbin Klatten in Sexvideo-Falle getappt
Der Erpressungen sollen bereits 2006 begonnen haben, die einflussreiche Managerin mit Wohnsitz in Bayern hatte es aber geschafft, die ermittelnden Behörden zur Geheimhaltung zu zwingen. In Italien sickerten jetzt Protokolle und Akten an die renommierte Zeitung "La Repubblica" durch, in Großbritannien berichtete die "Daily Mail", in Deutschland die "Süddeutsche Zeitung" und die "Bild am Sonntag". Klattens Sprecher - siehe weiter unten - hat die Erpressungen am Samstag bestätigt.
Hauptfiguren in dem filmreifen Krimi sind ein Schweizer und ein Italiener, mittlerweile beide verhaftet. Der Schweizer Gigolo Helg Sgarbis (41) soll demnach die Managerin verführt haben - in einigen Berichten wird er auch als "Sektenguru" dargestellt - und auch in den Sexvideos aufgetreten sein. Als sein Komplize fungierte ein Italiener namens Ernarno Barretta (63), der bei den Sextreffen in Luxushotels die versteckten Kameras von einem gleichzeitig gebuchten Nachbarzimmer aus bediente und die Geschehnisse aufzeichnete. Laut britischen Berichten sollen auch andere Millionärsfrauen nach derselben Masche von dem Duo erpresst worden sein.
Zugriff bei "Übergabe" in Österreich
Im Fall von Klatten konfrontierte Sgarbis die Milliardärin unter dem Vorwand, er werde von der italienischen Mafia erpresst, mit Geldforderungen. 2007 zahlte die Deutsche laut "La Repubblica" fast acht Millionen Euro, damit die Filmchen nicht an die Öffentlichkeit geraten. Erst als ein paar Monate später eine Forderung von unglaublichen 40 Millionen Euro gestellt wurde, wandte sie sich an die Behörden. Bei einem mit den Ermittlern koordinierten Übergabetermin in Österreich wurde das Erpresserduo dann verhaftet. Der Zugriff erfolgte durch das Einsatzkommando Cobra West in Vomp in Tirol bereits am 14. Jänner 2008, bestätigte am Samstag das Bundeskriminalamt. Die beiden Männer wurden kurze Zeit später nach München ausgeliefert.
Bei Helg Sgarbis und Ernarno Barretta wurden von den Behörden in Italien und der Schweiz in den letzten Wochen Dutzende Luxusautos von Rolly Royce bis Lamborghini und zwei Millionen Euro Bargeld beschlagnahmt. Die beiden Gigolos besitzen mehrere Häuser, haben in den letzten zwei Jahren große Investitionen im Nahen Osten getätigt, was darauf hindeutet, dass Klatten nicht das einzige Opfer war. Die Quandt-Erbin, die neben BMW auch beim Chemiekonzern Altana und dem Windturbinenhersteller Nordex beteiligt ist, verhält sich in der Causa wie üblich äußerst öffentlichkeitsscheu. Deutsche Medien stellen den Skandal als "demütigenden Albtraum" für die Milliarden-Erbin dar - Klatten ist mit dem Ingenieur Jan Klatten verheiratet und hat drei Kinder.
Klatten-Sprecher bestätigt Erpressungen
Der Sprecher der BMW-Großaktionärin, Jörg Appelhans, bestätigte die Berichte am Samstag und sagte: "Frau Klatten hat bereits im Jänner 2008 Strafanzeige wegen Betrugs und Erpressung bei der Staatsanwaltschaft München gestellt." Sie habe sich dazu entschieden, weil sie erkannt habe, dass die Beziehung zu dem Mann (Helg S., Anmk.) einen ausschließlich kriminellen Hintergrund gehabt habe. "Das Ziel war von Anfang an, sie zu betrügen und Geld zu erpressen!" Zum Tathergang sagte Appelhans: "Die Erpressungen mit Bildern von gemeinsamen Begegnungen haben im Herbst 2007 begonnen. Zunächst forderte der Erpresser ein Darlehen über mehrere Millionen Euro, später versuchte der Täter eine weit höhere Summe zu erpressen." Klatten habe "konsequent und ohne Rücksicht auf die für sie unangenehmen öffentlichen Folgen Anzeige erstattet".
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