Erste Warnstreiks
IG Metall steuert auf scharfen Tarifkonflikt zu
Die Gewerkschaft fordert acht Prozent mehr Lohn für die rund 3,5 Millionen Beschäftigten. Die Arbeitgeber haben bisher nur 2,1 Prozent für 2009 sowie eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent für die Monate November und Dezember dieses Jahres geboten. "Auf dieser Basis ist eine Einigung nicht möglich", sagte der Zweite IG Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel. Weder würden die Leistungen der Menschen anerkannt noch die Preissteigerungen ausgeglichen.
Bei Audi versammelten sich rund 4.000 Arbeiter vor den Werkstoren und legten für zwei Stunden die Arbeit nieder. Betroffen waren aber auch zahlreiche kleinere Betriebe wie Johnson Controls in Hannover: Bei dem Batteriehersteller traten 100 Beschäftigte in den vorübergehenden Ausstand. Gestreikt wurde unter anderem auch in Neckarsulm, Offenbach, Neuwied, Paderborn und Itzehoe. In Kiel wollte die Belegschaft des Automobilzulieferers GKN die Arbeit niederlegen.
"Und wenn die Blase platzt, sollen wir die Zeche zahlen!"
IG Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer warf den Arbeitgebern vor, die Finanzmarktkrise auszunutzen, um die Beschäftigten für den Verzicht reif zu schießen. "Und wenn die Blase platzt, sollen wir in der Tarifrunde die Zeche zahlen", kritisierte sie auf einer Kundgebung beim Weißblechhersteller Rasselstein im rheinland-pfälzischen Andernach. In Hannover sagte IG Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine: "Wir sind nicht verantwortlich für die Finanzmarktkrise und auch nicht bereit, die Zockerei der Finanzjongleure auszubaden."
Arbeitgeber werfen Gewerkschaft Realitätsverlust vor
Die Arbeitgeber warfen der Gewerkschaft dagegen vor, die Zeichen der Zeit zu ignorieren. Sie habe ihre Forderung viel zu früh festgelegt und dann der Realität nicht angepasst, sagte Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Ulrich Brocker der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Wenn möglichst viele der im Aufschwung geschaffenen 250.000 Arbeitsplätze über die Krise gerettet werden sollten, müsse die Lohnsteigerung niedriger ausfallen als beim letzten Mal. Fast 40 Prozent der Betriebe wollten freiwerdende Stellen nicht mehr besetzen, zehn Prozent stellten sich bereits auf betriebsbedingte Kündigungen ein.
Die Gewerkschaft zeigte sich unbeeindruckt. So soll alleine in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt am Montag bei mindestens 16 Unternehmen die Arbeit ausgesetzt werden. Die Tarifparteien in Baden-Württemberg haben angekündigt, am 11. November zu einem vierten Verhandlungstermin zusammenkommen zu wollen. In Nordrhein-Westfalen sollen die Verhandlungen den Arbeitgebern zufolge am 13. November fortgesetzt werden. In beiden Bezirken waren in der Vergangenheit Pilotabschlüsse mit bundesweiter Wirkung erzielt worden.
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