Dreiste Kumpanei
Sarkozy feuert Polizeichef wegen “Asterix”-Star
Am Samstagabend hatten Dutzende Nationalisten auf Korsika Teile des riesigen Gartens des Sarkozy-Freundes Clavier besetzt. Damit wollten sie gegen "die Ausbeutung der Korsen" auf ihrer Insel protestieren. Dominique Rossi, Koordinator der korsischen Sicherheitskräfte, wusste seit Freitag von geplanten Demonstrationen in der Gegend von Claviers Villa. Dennoch ließ er das Anwesen des "Asterix"- und "Napoleon"-Stars nahe des noblen Porto Vecchio nicht von Bereitschaftspolizisten schützen.
Sarkozy platzte deshalb der Kragen. Laut France Inter und Europe-1 rief er seinen Vertrauten Clavier sofort an und sagte: "Es kommt nicht in Frage, dass du für unsere Freundschaft bezahlst." Polizeichef Rossi wurde noch am Montagabend vom Innenministerium über seine sofortige Entlassung unterrichtet.
"Willkürliche und unverhältnismäßige Entscheidung"
"Die Wünsche des Prinzen werden erfüllt", schimpfte Zentrumspolitiker Francois Bayrou am Dienstag. Auch Polizeigewerkschafter und die oppositionellen Sozialisten sehen in der Affäre einen neuen Beweis, dass Sarkozy seine Macht für persönliche Gefälligkeiten missbraucht. Bayrou, Chef der Oppositionspartei Modem, prangerte eine "willkürliche und unverhältnismäßige Entscheidung" an. Sie zeige, dass bei Sarkozy die Kumpanei zwischen den Mächtigen die Staatsräson ersetze.
Laut Emmanuel Roux, dem Chef der Gewerkschaft der Polizeikommissare, ist dem geschassten Rossi gar nichts vorzuwerfen. "Wir können nicht vor allen Villen Bereitschaftspolizisten postieren, das wäre eine Provokation." Er habe erst nicht glauben können, dass die Freundschaft zwischen Sarkozy und Schauspieler Clavier hinter der Entlassung stecke, sagte Sozialistenchef Francois Hollande.
Sarkozy ließ auch schon Fernsehmoderatoren absägen
Die Kumpanei mit den Schönen und Mächtigen hat Sarkozy schon mehrfach Kritik eingebracht. So urlaubte er als frisch gebackener Präsident auf der Jacht des Industriellen Vincent Bolloré, flog in Privatjets reicher Freunde in den Urlaub und ließ den beliebten Fernsehmoderator Patrick Poivre d'Arvor beim staatlichen Sender TF1 vor die Tür setzen. Der Grund: Er hatte Sarkozy vor dessen ersten G-8-Gipfel mit einem kleinen aufgeregten Jungen verglichen, der endlich bei den Mächtigen mitmischen dürfe.
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