Drama vor Abflug

SMS vor Crash: “Sie lassen uns nicht aussteigen!”

Ausland
23.08.2008 13:15
Nach der Flugzeugkatastrophe von Madrid werden immer mehr tragische Schicksale rund um das Unglück mit 154 Toten bekannt: Die Besatzung der Spanair-Maschine (im kleinen Bild: die 15 Jahre alte MD-82 auf einer Startbahn in Teneriffa) hat mehreren besorgten Passagieren, die nach dem abgebrochenen Start in Panik geraten waren, den Ausstieg verweigert. Verwandte des bei dem Unglück getöteten Ruben Santana hatten Minuten vor der Katastrophe eine SMS-Nachricht von ihm erhalten: "Sie lassen uns nicht aussteigen, alles ist geschlossen." Indes wurde bekannt, dass ein spanisches Paar den Unglücksflug um drei Minuten verpasst hatte.

Ruben Santana wollte nach der langen Wartezeit eigentlich nur noch nach Hause. Es war heiß, die Luft im Flieger war stickig. Doch seine Frau drängte ihn zum Aussteigen, nachdem er ihr telefonisch von der Verspätung wegen technischer Probleme berichtet hatte. Doch man ließ ihn nicht von Bord! Laut der Zeitung "ABC" wurde auch mehreren anderen Passagieren vor dem verhängnisvollen Start der gewünschte Ausstieg verwehrt. Die Insassen des Unglücksfluges hatten demnach mitbekommen, dass etwas nicht stimmte, wie es am Donnerstag - wir berichteten - auch einige der 19 Überlebenden sagten (siehe Bericht in der Infobox). 

Die Entscheidung, ob Passagiere noch so kurz vor dem Start aussteigen dürfen, trifft in der Regel der Pilot. Santana berichtete seiner Familie vor dem Unglück, der Pilot habe wegen eines Triebwerks-Schadens nicht abheben wollen. Die Maschine soll nach Angaben von Spanair vor dem Start aber wegen eines überhitzten Luftschachts unter dem Cockpit zum Gate zurückgekehrt sein. 

Spanisches Paar verpasste Flug um drei Minuten
Glück im Unglück hatte - wie jetzt bekannt wurde - ein spanisches Ehepaar. Der Mann, der laut einem Bericht der AFP Hector heißt, kam mit seiner Frau drei Minuten zu spät zum Check-in. Am Schalter wurde ihnen gesagt, dass die Fluggäste bereits einsteigen würden und sie zu spät seien. Das Paar entschloss sich daraufhin, die Nacht in Madrid zu verbringen. Dass der Flieger wegen den technischen Problemen Verspätung hatte und sie dadurch vielleicht doch noch einsteigen hätten können, bekamen sie nicht mehr mit.

Laut AFP gab es einen weiteren Spanier, der sich am Mittwoch noch ein Ticket für den Flug holen wollte. Man wies ihn aber mit der Begründung ab, das Flugzeug sei ausgebucht. Er buchte einen anderen Flug bei einer anderen Airline. Während der Mann auf seinen Flug nach Gran Canaria wartete, der ein paar Stunden nach der Unglücksmaschine abfliegen sollte, geschah die Katastrophe.

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