Herr Harder, wie fühlt man sich als Lebensretter?
"Nicht anders als vorher, wenn Sie das meinen. Aber der Schreck sitzt wohl noch tief - geschlafen habe ich seit Freitag nicht mehr. Wer nicht dabei gewesen ist, kann sich nicht vorstellen, was für Szenen sich da auf dem Campingplatz abgespielt haben - es war wie bei einem Weltuntergang. So hat sich's angefühlt."
Können Sie schildern, was genau passiert ist?
"Der Tornado ist ganz plötzlich gekommen - ohne Vorspiel sozusagen. Der Himmel war blutrot; und das mitten in der Nacht. Aber es gab keinen Hagel und keinen Niederschlag. Es war gespenstisch still. Dann hat's angefangen: Die dicken Bäume sind wie Streichhölzln geknickt, wild durch die Gegend geflogen - und einer ist direkt auf dem Zelt meines Nachbarn, eines Norwegers, gelandet..."
...der Mann, der mit seinem achtjährigen Sohn getötet worden ist...
"Vier Meter haben uns getrennt, vier Meter! Sonst hätten's meine Frau und ich sein können, die erschlagen worden wären!"
Sie haben trotz all dem Schrecken Ruhe bewahrt.
"Ich habe gewusst, dass in dem begrabenen Zelt noch Kinder sind. Kleine Füßchen haben herausgeschaut. Mir war klar, dass ich alles tun muss, um zu helfen! Ich habe geschrien, damit noch jemand mithilft, aber leider vergeblich. Alle waren mit sich selbst beschäftigt. Also habe ich alles daran gesetzt, um das Kleine vorsichtig unter den Trümmern herauszuholen."
Es ist Ihnen gelungen.
"Ja, aber das Baby war so ruhig, hat nicht einmal geweint. Das hat mich erschreckt - ich glaube aber, dass es nur eine Platzwunde hatte. Also bin ich damit im Arm über den verwüsteten Platz gelaufen, um jemanden zu finden, der es in Sicherheit bringt. Von Hilfskräften war da ja noch weit und breit nichts zu sehen! Eine Urlauberfamilie hat das Kind dann ins Krankenhaus gebracht; ich bin zum Zelt der Norweger zurückgerannt - aber da kam dann jede Hilfe schon zu spät."
Einige beklagen, dass die italienischen Behörden des Chaos nicht Herr wurden.
"Das stimmt leider! Anfangs hieß es, der Bürgermeister von Grado kommt und es gibt Notquartiere. Aber die Zuteilung hat nicht funktioniert - erst bei den Aufräumarbeiten sind die Italiener munter geworden. Vermutlich, um das Unglück schnell vergessen zu machen."
Wie sah's denn eigentlich nach dem Sturm aus?
"Unheimlich still war's, nur die Motorsägen der Feuerwehren waren zu hören. Dabei sind ja Teile des Campingplatzes unversehrt geblieben - der Tornado ist wie der Finger Gottes nur im hinteren Bereich durchgerast. Wir sind dann von hilfsbereiten Steirern nach Moosburg gebracht worden, weil unser Hab und Gut ist ja zerstört worden."
Alles kaputt?
"Totalschaden an Auto und Wohnwagen - den Rest vom Urlaub werde ich damit verbringen, den Schrott wegzuschaffen. Aber gemessen an dem Glück, dass Claudia und mir nichts passiert ist, ist das ja gar nichts."
Interview: Kerstin Wassermann/Kärntner Krone
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