"Verleumdung!"
Oppositionschef wegen Homosexualität angeklagt
Um das Gerichtsgebäude hatten sich trotz einer außerordentlich starken Polizeipräsenz mehr als 1.000 Anhänger versammelt. Sie jubelten dem Politiker bei seiner Ankunft zu. Bei dem Gerichtstermin wurde Anwar von Rechtsanwälten und Familienmitgliedern begleitet.
Ein Mitarbeiter Anwars hatte den Politiker Ende Juni wegen verbotener homosexueller Kontakte angezeigt. Der sechsfache Vater weist den Vorwurf als "erfunden" zurück. Damit solle sein politisches Comeback verhindert werden. Die Abgabe eines Bluttests für eine DNA-Probe habe er aus Angst vor einer Manipulation verweigert.
Homosexuellen drohen 20 Jahre Haft
Die Opposition hatte bei der Parlamentswahl Anfang März der seit 51 Jahren mit Zwei-Drittel-Mehrheit regierenden Koalitionsregierung eine empfindliche Schlappe zugefügt. Seither nehmen die Spannungen zu. In dem mehrheitlich muslimischen Land sind gleichgeschlechtliche Beziehungen strafbar: Dafür drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis.
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte, die Anklage gegen Anwar fallenzulassen. "Die malaysische Regierung scheint das Rechtssystem zu manipulieren, um sich ihre Machtposition zu sichern und die Opposition zu unterlaufen", kritisierte der Asien-Verantwortliche von Amnesty, Brad Adams.
Anwar war bis 1998 in der Regierungskoalition stellvertretender Regierungschef. Dann wurde er wegen Korruption und Homosexualität verurteilt und saß bis 2004 im Gefängnis. Das Urteil wegen Homosexualität wurde später aufgehoben. Menschenrechtsorganisationen hielten den Prozess für politisch motiviert.
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