Kurz vor Olympia
Doppelanschlag erhöht die Terrorangst in China
Die Detonationen ereigneten sich nach Polizeiangaben im Abstand von rund einer Stunde während der morgendlichen Hauptverkehrszeit im Zentrum von Kunming. Zunächst sei ein Sprengsatz gegen 7.00 Uhr Ortszeit (01.00 Uhr MESZ) in einem Bus explodiert, als dieser eine Haltestelle ansteuerte. Dabei seien eine Frau getötet sowie zehn weitere Menschen verletzt worden. "Das Glas auf beiden Seiten des Fahrzeugs ist vollständig zerbrochen, mehrere Sitze wurde verbogen", erklärte die Polizei.
Zweite Explosion auf der gleichen Straße
Später habe sich auf der gleichen Straße erneut eine Explosion in einem Bus ereignet, hieß es weiter. Dabei kam ein Mann ums Leben, vier weitere Menschen erlitten Verletzungen. Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von einem großen schwarzen Loch auf einer Seite des Busses sowie von schweren Schäden im Innern. Widersprüchliche Informationen gibt es zu der Anzahl der Todesopfer: Die Lokalzeitung "Shenghuo Xinbao" berichtete von insgesamt drei Todesopfern, zwei Menschen seien am Tatort gestorben, ein drittes Opfer auf dem Weg ins Spital.
Suche nach Verdächtigen gestartet
Zu den Explosionsursachen wollte die Polizei zunächst keine näheren Auskünfte geben. Sie sperrte einige Straßen in der Gegend ab und kontrollierte Passanten auf der Suche nach "Verdächtigen", wie örtliche Behörden mitteilten. In der 2.100 Kilometer südwestlich von Peking gelegenen Provinzhauptstadt Kunming leben über sechs Millionen Menschen. Die an Tibet grenzende Provinz Yunnan wird von zahlreiche Volksgruppen bewohnt, zwei Drittel ihrer 45 Millionen Einwohner sind Han-Chinesen.
Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen
Die Explosionen in Kunming dürften zu einer weiteren Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld der am 8. August beginnenden Olympischen Sommerspiele in Peking führen. Die chinesische Regierung fürchtet vor allem mögliche Anschläge muslimischer Extremisten in der nordwestlichen Region Xinjiang sowie von Anhängern des tibetischen Unabhängigkeitskampfes. In Xinjiang ist es seit 1990 immer wieder zu blutigen Unruhen gekommen. Zahlreiche "Konterrevolutionäre" wurden hingerichtet, Hunderte von Moscheen und Koranschulen geschlossen. Gegen pro-chinesische uigurische Funktionäre wurden Attentate verübt.
Angebliches "Terrornetzwerk" zerschlagen
In den vergangenen Jahren hatte China mehrere Anschläge in Xinjiang vermeldet, Anfang Juli wurden einem US-Medienbericht zufolge zwei Uiguren wegen Terrorismus hingerichtet. Im Frühjahr meldeten die chinesischen Behörden die Zerschlagung eines "Terrornetzwerks" in Xinjiang, das Anschläge gegen die Olympischen Spiele geplant haben soll. Die Terroristen wollten angeblich ausländische Athleten, Touristen und Journalisten verschleppen und Selbstmordattentate verüben.
Internationale Menschenrechtsorganisationen werfen der chinesischen Führung vor, den von den USA ausgerufenen weltweiten Kampf gegen den Terrorismus zum Vorwand zu nehmen, um verschärft gegen ethnische und religiöse Minderheiten vorzugehen.
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