Herzensbrecherin

Steve Buscemi und Sienna Miller in “Interview”

Kino
20.08.2008 15:30
Nein, sie ist absolut keine dieser unterkühlten Hitchcock-Schönheiten, die ihren platinblonden Sexappeal zum Dogma kriminalistischen Spürsinns machen. Doch kriminell gekonnt ist die Verführungsstrategie der „goldigen“ New Yorkerin Sienna Miller allemal, wird sie doch in der englischen Presse aufgrund ihres bewegten Liebeslebens bereits „The Man-Eater“ – „Die Männerfresserin“ – genannt. Nun kommt die hochtalentierte Schauspielerin mit dem fesselnden Dialogfilm "Interview" in unsere Kinos. Und im Vorfeld sei eines verraten: Intelligenz trifft auf Erotik - ab 22. August.

Hollywoodstar und Beau Jude Law zählt ebenso zu den Verflossenen wie seit kurzem auch Schauspielerkollege Rhys Ifans, der schwer geknickt, wie man vernimmt, seine Seelenpein auf die Couch seines Psychiaters bettet, während Sienna neues Liebesterrain an der Seite des schauspielernden Multimillionärs Balthazar Getty absteckte. Dass der Bonvivant nicht frei - weil noch verheiratet, aber schon getrennt - war, kümmert die lebenslustige Aktrice herzlich wenig, vergrämt aber die Hollywood-Society.

„Jede neue Liebe inspiriert mich“, so der fast ein wenig trotzige Kommentar Millers, nach ihrem Privatleben befragt. Von koitalen Durststrecken hält die schöne Blondine nämlich gar nichts. Nicht zuletzt profitiert auch ihre filmische Arbeit von ihrer überschäumenden Lebensgier, ihrem Charme und Charisma. In „Factory Girl“ von George Hickenlooper spielte sie Edie Sedgwick, Andy Warhols Muse. In Lasse Halstroms Historien-Tableau „Casanova“ bezauberte sie in der Rolle der Francesca, der einzigen Frau, die Casanova nicht zu verführen vermochte. Und ihr Kinodebüt gab sie in „Layer Cake“ an der Seite von Daniel Craig als kesses Dealerliebchen.

Buscemi fungiert als Regisseur und Hauptdarsteller
Nun kommt sie mit dem brillanten Dialogfilm „Interview“ einmal mehr in unsere Kinos, eine Regiearbeit von Steve Buscemi, der gleichzeitig auch als männlicher Hauptdarsteller fasziniert, und mit dieser Produktion auf den Spuren des 2004 ermordeten niederländischen Ausnahme-Regisseurs Theo van Gogh wandelt, der kaltblütig von einem religiösen Fundamentalisten erschossen wurde – offenbar als fanatische Reaktion auf van Goghs filmisch-kritischen Umgang mit dem Islam in dem Kurzfilm „Submission“, wo Koranverse auf nackter Frauenhaut zu sehen waren.

Soap-Star trifft auf Kriegsberichterstatter
Ein Interview also – und gleichzeitig das US-Remake des 2003 in Toronto von Regisseur van Gogh präsentierten Streifens. Der Filmtitel ist Programm. Ein Mann und eine Frau. Sie, Katya – Sienna Miller –, eine bekannte amerikanische Soap-Darstellerin, er, Pierre Peders – Steve Buscemi –, ein ernsthaft-harscher Kriegsberichterstatter, der von seinem Chefredakteur zu diesem Ausflug in die oberflächliche Glamourwelt der Halbprominenz verdonnert wurde. Genervt trägt Peders sein Desinteresse offen zur Schau, während sich Katya demonstrativ ihrem Chihuahua-bellenden Handy widmet. Zwei Gegenpole, Lichtjahre voneinander entfernt.

Ein kleiner Unfall verlegt das Gespräch in das nahe gelegene New Yorker Tribeca-Loft der Aktrice. Die Neugier ist geweckt. Verkennt man einander? Und laborieren nicht beide an gut versteckten Ängsten, die von einem tief sitzenden Schmerz genährt werden? Diverse Rauschmittel entspannen die Situation. Und mit einem Mal wird ihre Auseinandersetzung zum verbalen Schachspiel, ja, zu einer Art psychologischem Boxkampf, gewürzt mit brillantem Intellekt – und das auf beiden Seiten –, Intrigen und sexuell prickelnder Nähe. Ein zu Beginn banales Prominenteninterview gerät zum leidenschaftlichen, via Camcorder dokumentierten Wortgefecht mit unerwartetem Ende.

„Ich habe noch nie ins Leere geliebt“
Ist es für die Schauspielerin vorstellbar, ausgerechnet bei einem Journalisten Feuer zu fangen? Sienna Miller: „Die Erotik des Augenblicks hat nichts mit dem Beruf zu tun. Wenngleich ich feststellen musste, dass eloquente Männer auch im Bett fantasievoller sind!“ Die coole, blitzgescheite 26-jährige Blondine ist auf dem besten Weg, in Sharon Stones Fußstapfen zu treten. Auch die ließ sich schon in jungen Jahren nie vereinnahmen. Weder von Rollenbildern noch von Männern. Miller: „Ich habe noch nie ins Leere geliebt, nie eine einseitige Liebe durchlitten. Für unerfüllte Sehnsucht bin ich einfach zu pragmatisch.“

Wen wundert’s, dass Sienna auch in Sachen Design ein Tausendsassa ist. Letztes Jahr brachte sie ihr eigenes Modelabel „Twenty8Twelve“ (benannt nach ihrem Geburtsdatum am 28. 12.) heraus. Und schon jetzt wird ihr mindestens so viel Trendgespür wie Styling-Queen Kate Moss nachgesagt. Accessoires sind ihr besonders wichtig. Zudem hat Sienna ein Faible für extravagante Kopfbedeckungen. Gut „behütet“ in Hollywood - keine schlechte Strategie!

Von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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