Jake Carpenter kommt gerade frisch vom College, als er sich der technisch hochgerüsteten Privatarmee der Mantel Corporation anschließt, um gegen südamerikanische Rebellen in den Krieg zu ziehen. Warum, das weiß eigentlich niemand so genau, aber Medienberichten zufolge handelt es sich bei den Aufständischen nun mal um ganz böse Menschen. Ihr Anführer soll sogar Menschen verspeisen und deren Haut zu einem wärmenden Mantel vernäht haben.
Dass Fiktion und Realität ein wenig auseinanderklaffen, erkennt Carpenter erst recht spät. Der Grund: "Nectar", ein laut Armee harmloses "Aufputschmittel", hat ihm die Sinne vernebelt. Im Krieg gegen die Widerstandskämpfer erweist sich die gelbe Flüssigkeit allerdings als äußerst nützlich: Einmal injiziert, werden die Sinne geschärft und die Muskeln gestählt. Gegner oder auch Sprengfallen heben sich plötzlich farblich vom Dickicht des Dschungels ab und auch Treffer werden leichter weggesteckt. Allerdings bringt das Präparat einige "Nebenwirkungen" mit sich, wie Carpenter im Verlauf des Spiels erkennen muss.
Zu diesem Zeitpunkt hat er sich allerdings schon, so viel sei an dieser Stelle verraten, auf die Seite der Rebellen geschlagen. Als Rebell verfügt er nun zwar nicht mehr über "Nectar" oder das technische Equipment der Mantel-Soldaten, hat dafür jedoch einige Tricks und Kniffe auf Lager, um im Kampf David gegen Goliath zu bestehen: So können sich Rebellen etwa tot stellen oder Granaten derart im Boden vergraben, dass diese von den Soldaten nicht aufgespürt werden können. Zudem sind Rebellen in der Lage, ihrem Gegenüber die Waffe zu entreißen, mit Wurfmessern zu hantieren oder spezielle "Nectar"-Granaten, die aufgrund einer Überdosierung bei Soldaten zu Fehlfunktionen im "System" führen, zu verschießen.
Im Spiel selbst sind diese unterschiedlichen Spielweisen allerdings nur recht lasch herausgearbeitet worden. Auf Seite der Mantel Corporation ballert man die farblich hervorgehobenen Gegner nahezu mühelos über den Haufen, als Rebell wundert man sich allerdings, dass die nun als Gegner auftretende Mantel-Privatarmee alles andere als Über-Soldaten parat hält. Lediglich auf die Tot-stell-Taktik muss man von Zeit zu Zeit zurückgreifen, das Entreißen von Waffen ist aufgrund ausreichend vorhandener Munitionsvorräte hingegen nicht nötig und auch die "Nectar"-Granaten sind mehr nettes Gimmick als todbringende Waffe.
Immerhin sind die einzelnen Missionen recht abwechslungsreich gestaltet, wenngleich viele Elemente an bekannte Genre-Vertreter ("Far Cry", "Halo" oder etwa "Black") erinnern: Nach dem anfänglichen Trip durch den Dschungel kommt der Spieler an Stränden, Industriekomplexen, einem Container-Schiff, den brasilianischen Favelas nachempfundenen Dörfern sowie einem schmucken Hotel-Ressort vorbei, ehe es über sich in Schikanen windende Straßen in die Berge und dem Showdown entgegen geht. Zwischendurch dürfen diverse Vehikel wie Buggys oder Quads bestiegen und MGs, Flaks oder Helis samt Gatling bemannt oder ausgeschaltet werden. Bomben müssen zudem aktiviert, ein Transporter eskortiert und Stellungen gehalten werden. Man kennt das ja.
"Haze" läuft dabei zwar stets flüssig und kommt weitestgehend ohne Ladezeiten aus (schließlich hat man zuvor auch rund vier Gigabyte auf der PS3-Festplatte installiert), lässt in Sachen Präsentation ansonsten aber viel Raum für Verbesserungen. Neben störenden Pop-ups sind es vor allem die oftmals groben Texturen, die unangenehm auffallen. Die grafische Darstellung des Flammenwerfers oder auch der aufgewühlte Staub beim Quad-Fahren sind alles andere als "Next-Gen". Nicht viel besser der Sound: Explosionen und Geballere klingen zwar wuchtig, gegen Ende des Spiels kam es jedoch immer wieder zu kürzeren Tonaussetzern, zudem wiederholen sich die ohnehin schon nervigen Sprüche der KI-Kameraden des komplett in Englisch gehaltenen Spiels nur zu oft.
Apropos KI: Während die künstliche Intelligenz der Gegner durchaus zuverlässig zu arbeiten scheint und dafür Sorge trägt, dass diese Deckung suchen und nicht bloß als Kanonenfutter fungieren, ist es um die KI der eigenen Team-Kameraden nicht gerade zum Besten bestellt. Nicht nur, dass sie viel zu oft den virtuellen Tod sterben, viel nerviger ist, dass sie sich stets vor dem eigenen Gewehrlauf positionieren und so die Sicht versperren.
Dass "Haze" zu guter Letzt nicht zur Gänze in der Bedeutungslosigkeit versinkt, verdankt der Titel seinem Multiplayer-Modus, in dem zwei Spieler via Splitscreen bzw. bis zu vier Spieler online im Koop-Modus die Story noch einmal durchleben können. Die für bis zu 16 Spieler ausgelegten Online-Modi "Deathmatch", "Team Deatchmatch" und "Team Assault", hier gilt es im Team vorgegebene Ziele zu erfüllen, bieten hingegen kaum dauerhaften Motivationsanreiz.
Fazit: "Haze" ist kein schlechter Shooter, bleibt aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Vor allem die im Vorfeld so tiefgehende Story entpuppt sich als äußerst vorhersehbar. Das Missionsdesign ist abwechslungsreich, scheint sich aber großzügig an anderen Genre-Vertretern zu orientieren, ohne dabei in optischer und akustischer Hinsicht jedoch deren Klasse zu erreichen. Auch der Vier-Spieler-Koop-Modus kann letzten Endes nicht über die Problemchen der zudem recht kurz ausgefallenen (etwa acht Stunden) Einzelspieler-Kampagne hinwegtäuschen.
Plattform: PS3
Publisher: Ubisoft
Krone.at-Wertung: 69%
von
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