Polygamisten-Sekte
Zwölf Kinder dürfen zu ihren Eltern zurück
Unter den zwölf Kindern, die nun wieder zu ihren Eltern zurückkehren, sind drei Geschwister im Alter von einem, zwei und vier Jahren. Ihre Eltern hatten vor Gericht die Herausgabe der Kinder beantragt. Die Jugendschutzbehörde CPS (Child Protective Services) habe daraufhin angeboten, dass die Familie unter staatlicher Aufsicht in der Region San Antonio lebe, sagte eine Sprecherin des Anwalts der Eltern. Eine Rückkehr auf die Ranch der Sekte sei nicht zulässig.
Noch am Donnerstag hatte ein Berufungsgericht im texanischen Austin entschieden, dass das Vorgehen der US-Behörden gegen die Sekte rechtlich nicht gedeckt gewesen sei. Die Behörden hätten die weit über 400 Kinder nicht ihren Eltern wegnehmen dürfen, zudem sei nicht ausreichend nachgewiesen worden, dass die Kinder in akuter Gefahr gewesen seien. Die Behörden hätten ohne ausreichende Rechtsgrundlage gehandelt.
"Kultur des sexuellen und emotionalen Missbrauchs"
Die Räumungsaktion auf der rund 700 Hektar großen Ranch der abtrünnigen Mormonen-Sekte "Fundamentalist Church of Christ of Latter-Day Saints" (FLDS) Anfang April hatte weltweite Schlagzeilen gemacht. Laut der zuständigen texanischen Familienbehörde waren viele Kinder zur Heirat gezwungen und sexuell missbraucht worden. Auch die Staatsanwaltschaft hatte seinerzeit von einer "Kultur des sexuellen und emotionalen Missbrauchs" in der Kolonie gesprochen. Mehr als 20 in der Kolonie lebende minderjährige Mädchen seien schwanger gewesen oder hätten bereits Kinder bekommen.
Großangelegte Razzia auf der Polygamisten-Ranch
Ausgelöst hatte die Ermittlungen eine schwangere Minderjährige, die angab, auf dem Anwesen missbraucht worden sein. Am 3. April führte die Polizei eine großangelegte Razzia auf der - wie eine eigene Kleinstadt organisierten - Ranch durch. Ein Gericht entschied zunächst, dass der Bundesstaat Texas das Sorgerecht für die Kinder übernimmt. Sie wurden bei Pflegefamilien untergebracht. Die Rechtsanwälte der Sekte beschuldigen die Behörden nun der religiösen Diskriminierung.
Der Justiz ist es bis dato nicht gelungen, die Eltern aller 463 Kinder zu ermitteln. Bei mehr als 100 Kindern ist immer noch unklar, wer ihre Mutter ist. Nach Angaben von Experten gibt es rund 10.000 FLDS-Anhänger.
Kinder missbraucht, viele Mädchen schwanger
Die Sekte Fundamentalist Church of Jesus Christ of Latter Day Saints (FLDS) tritt für die Polygamie ein. Sie trennte sich von den Mormonen, nachdem diese die Mehrehe offiziell für unzulässig erklärt hatten. Der Fall begann mit einer Großrazzia der Polizei auf dem Gelände in Eldorado am 3. April. Ausgelöst wurden die Ermittlungen von den Angaben einer 16-Jährigen, sie sei auf dem Anwesen missbraucht und geschwängert worden. Das US-Jugendamt will außerdem erfahren haben, dass einige Frauen in der Sekte bereits mit dreizehn Jahren ihr erstes Kind bekommen haben. Unter den jetzt befreiten Mädchen würden sich fünf Mädchen unter achtzehn Jahren befinden, die gerade schwanger sind.
In der Sekte ist es üblich, junge Mädchen mit älteren Männern "spirituell" zu verheiraten. Es soll vorgekommen sein, dass Frauen, die bei einem Mann in Ungnade fielen, einfach samt ihren Kindern einem anderen Mann "zugeteilt" wurden, weshalb es bisher noch nicht gelungen ist, die befreiten Kinder ihren biologischen Eltern zuzuordnen. Die Kinder akzeptierten den neuen Mann ihrer Mutter als neuen Vater.
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