Pharma-Skandal

Deutsche Firma soll mit Leichenteilen handeln

Ausland
22.08.2009 20:58
Ein in Bayern ansässiges Pharmaunternehmen soll nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" in der Ukraine im großen Stil Leichen ausnehmen lassen, um daraus medizinische Produkte zu gewinnen. Dies gehe aus firmeninternen Dokumenten hervor, die dem Magazin laut Vorabmeldung vom Samstag vorliegen. Demnach zahlte das Unternehmen im Jänner 2002 für einen Oberarmknochen 42,90 Euro, für einen kompletten Oberschenkel ebenfalls 42,90 Euro und für einen Herzbeutel je nach Größe 13,30 bis 16,40 Euro. Allein im Geschäftsjahr 2000/01 seien in der Ukraine 1.152 Leichen für die deutsche Firma genutzt worden.

Dem Bericht zufolge soll den Angehörigen in vielen Fällen nicht klar gewesen sein, was mit den Knochen ihrer Verwandten geschieht. Das Magazin zitierte die Kiewerin Lena Krat mit der Aussage, sie sei überrumpelt worden, den Leichnam ihres Vaters für eine Gewebespende zur Verfügung zu stellen. Ihr sei erzählt worden, dass nur Hautstreifen abgeschält würden. Tatsächlich seien den Leichen aber ganze Sehnen, Knochen und Knorpel entnommen worden. "Wenn ich gewusst hätte, dass so viel herausgeschnitten wird, hätte ich nie zugestimmt", sagte die Frau dem "Spiegel".

Der Leiter der Rechtsmedizin in Kiew, Wladimir Jurtschenko, bestätigte dem Nachrichtenmagazin, dass auch heute noch Leichen ausgenommen werden, deren Knochen dann bei der deutschen Firma landen. Die aus Leichenteilen gewonnenen Produkte werden dem Bericht zufolge vor allem in den USA als Ersatzteile bei Patienten eingesetzt, ihr Nutzen sei allerdings umstritten. 

Milliardenschwerer Markt
Die Branche sei in den vergangenen Jahren zu einem milliardenschweren Markt angewachsen. Würde eine Leiche in all ihre Einzelteile zerlegt, verarbeitet und verkauft, könne der Erlös bis zu 250.000 US-Dollar betragen. Das bayerische Unternehmen lehnte laut "Spiegel" jede Stellungnahme ab und beantwortete auch schriftliche Fragen nicht.

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