"Ich habe vorher gescherzt. Weil ein böser Brief dabei lag, hab' ich die Schachtel der Sekretärin gegeben und noch gemeint: 'Die würde ich nicht essen.' Ein paar Minuten später ist sie mit den Mäusen gekommen", sagt Ernhard, der sich in der letzten Zeit öfter offenen Anfeindungen ausgesetzt sieht.
Noch keine Verdächtigen
Weder Ernhard noch die Polizei haben eigenen Angaben zufolge einen konkreten Verdacht, wer der Absender sein könnte. Hoffnungen setzt der Bürgermeister aber in den handschriftlichen "Begleitbrief", in dem er unter anderem für die schlechte Finanzlage der Stadt verantwortlich gemacht wird.
"Der Verfasser ist offenbar teilinformiert, der Brief ist aber im Wirtshausstil geschrieben." Die Polizei vermutet aufgrund der Schrift und des Inhalts, der sich teilweise auf lange zurückliegende Dinge beziehe, eher einen älteren Menschen als Urheber. Das Stadtoberhaupt hofft, dass die Handschrift den Absender verraten könnte.
Zeichen für "Wertewandel"
Ernhard zeigte sich menschlich tief verletzt. "Der Wertewandel, in dem wir uns momentan befinden, macht vor nichts Halt." Man sorge sich als Empfänger eines solchen Pakets, was als Nächstes komme.
Oberösterreichs Sicherheitsdirektor Alois Lißl sieht das ähnlich: Auch wenn der Vorfall strafrechtlich nicht verfolgbar sei, dürfe er nicht als "Spaß oder Klamauk" abgetan werden, betonte er. Solche Dinge müssten sehr ernst genommen werden. "Sie sind oft der Beginn einer längeren Störaktion."
Ernhard will sich aber nicht ins Bockshorn jagen lassen: "Ich bin seit 15 Jahren Bürgermeister. Wenn ich nicht an das Gute im Menschen glauben würde, dürfte ich so eine Aufgabe gar nicht annehmen."
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