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Grazer Experten vermessen Orbits von Schrott im All

06.02.2012, 14:46
Grazer Experten vermessen Orbits von Schrott im All (Bild:  (Bild: NASA))
Der Grazer Laserstation des Instituts für Weltraumforschung (IWF) ist es in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart erstmals in Europa gelungen, die Umlaufbahnen von mehr als 20 verschiedenen Raketenteilen in einer Entfernung bis zu 1.800 Kilometer mit Laser zu vermessen.

Die dabei erzielte Genauigkeit beträgt einige Meter und entspricht damit der Größe dieser Objekte - bisherige Vermessungen mithilfe von Radar lagen hingegen im Kilometerbereich.

Gefahr für die Raumfahrt

Seit dem Start von Sputnik 1 im Jahr 1957 wurden Tausende Raketen und Satelliten in eine Erdumlaufbahn gebracht. Daraus entstand im Laufe der Zeit eine zunehmende Zahl an inaktiver Weltraum- Hardware, wie z.B. ausgebrannte Raketenstufen oder Teile von ausgedienten Satelliten, die im All als Weltraummüll ihre Bahnen ziehen. Die Objekte, deren Zahl von der European Space Agency (ESA) auf mehrere Hunderttausend Teile (im Bild als Punkte dargestellt) geschätzt wird, sind für aktive Satelliten ebenso gefährlich wie für bemannte Weltraummissionen.

Die Laserstation Graz am Observatorium Lustbühel vermisst normalerweise mithilfe schwacher und sehr kurzer Laserpulse die Entfernung zu Satelliten, die entsprechende Reflektoren besitzen (sogenannte "kooperative Objekte") - bis auf zwei bis drei Millimeter genau. Nun versucht man - basierend auf Berechnungen des Instituts für Technische Physik des DLR Stuttgart - auch die Entfernung zu Schrottteilen im All zu vermessen, die ohne spezielle Reflektoren ausgestattet sind. Die Umlaufbahnen von 25.000 solchen "nichtkooperativen Objekte" wurden bisher per Radio- Detektion bestimmt, "allerdings mit einer Genauigkeit von ein paar hundert Meter", weiß IWF- Mitarbeiter Georg Kirchner.

Die Grazer Experten können nun mit einem enorm starken Laser (Bild 2) arbeiten, den sie vom DLR Stuttgart leihweise zur Verfügung gestellt bekommen haben: "Wir besitzen dazu den optimalen Detektor. Uns genügt ein einziges Photon", so Kirchner. Mit den bisherigen Messungen wolle man den "Nachweis der Durchführbarkeit solcher Messungen zu 'nicht- kooperativen' Objekten" erbringen. In den kommenden Monaten wolle man "die Grenzen des Systems ausloten".

Gefährlichen Teile sollen künfig abgelenkt werden

Endziel ist die Entfernungsmessung zu sehr kleinem Schrott von nur wenigen Zentimetern Größe. "Wenn die Bahnen dann entsprechend genau bekannt sind, könnte man durch gezielten Beschuss mit einem sehr starken Laser solche Teile etwas abbremsen, wodurch sie innerhalb kürzerer Zeit in die Erdatmosphäre eintreten und verglühen würden," so Kirchner. Aus seiner Sicht "die einzige Möglichkeit, den Weltraummüll mit noch vertretbarem finanziellen und technischen Aufwand zu beseitigen".

AG/red
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