Bizarrer Show-Event

Gaddafi feiert 40. Amtsjubiläum

Ausland
01.09.2009 17:49
Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi hat die Feierlichkeiten zu seinem 40. Amtsjubiläum mit einem Aufruf für Frieden und Stabilität in Afrika eingeläutet - und einem spektakulär-bizarren Show-Event. In Tripolis nahmen Hunderte Tänzer, Reiter und Sänger und sogar eine Fliegerstaffel an den Feierlichkeiten teil. Neben Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi beobachteten auch ausländische Ehrengäste das Spektakel. Im Mittelpunkt der Inszenierungen stand jedoch Gaddafi selbst.

Libyen beging am Dienstag mit prunkvollen Feiern den 40. Jahrestag der "Revolution" und des Sturzes der Monarchie. Am 1. September 1969 hatte der selbsternannte Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi mit einer Gruppe von jungen Offizieren gegen den greisen König Idris geputscht, der sich zur medizinischen Behandlung im Ausland aufhielt. Die Putschisten orientierten sich am Vorbild des "Bundes Freier Offiziere", der 1952 in Ägypten König Faruk gestürzt hatte, und verschrieben sich den Ideen des Panarabismus. Sie proklamierten zunächst die "Arabische Republik Libyen", später die "Große Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Jamahiriya", nach eigener Definition ein "Staat der Volksmacht".

Berlusconi brachte Kunstflieger-Staffel mit
Gleichzeitig mit den prunkvollen Feierlichkeiten fand ein Sondergipfel der Afrikanischen Union statt, deren Vorsitz Gaddafi derzeit innehat. Prominentester westlicher Gast bei den Revolutionsfeiern in Tripolis ist Italiens Premier Silvio Berlusconi, dessen Land einst Kolonialmacht in Libyen war. Berlusconi brachte auch die Kunststaffel der italienische Luftwaffe mit, die erstmals nicht Rauch in den italienischen Landesfarben auf den Himmel malte, sondern nur die lybische Landesfarbe grün - was in Rom für Unmut sorgte.

Das Verhältnis Libyens zum Westen war lange Zeit durch die Verstrickungen des Regimes in den internationalen Terrorismus belastet. Als "Schurkenstaat" war Libyen weitgehend isoliert und mit UNO-Sanktionen belegt. 2003 hob sie der Sicherheitsrat auf, 2006 strichen die USA das Land von ihrer Terrorliste.

AU-Erklärung für Beobachter und Schutztruppen
Unter Gaddafis Vorsitz verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union (AU) in der Nacht zum Dienstag zum Abschluss eines eintägigen Sondergipfels in der libyschen Hauptstadt Tripolis eine Erklärung, in der sie geloben, ihre Konflikte künftig ohne fremde Hilfe zu lösen. Zu diesem Zweck solle die AU stets Beobachter und Schutztruppen bereit halten, hieß es.

Großteil Europas schickt nur Diplomaten zur Gaddafi-Fete
Zu den Jubelfeiern in der Nacht auf Mittwoch, für die unter anderem der venezolanische Präsident Hugo Chavez nach Libyen reiste, schickten die meisten europäischen Staaten nur ihre Botschafter, was auch mit den jüngsten außenpolitischen Kapriolen des "Bruder Führer" zu tun hat. Mit der britischen Regierung gab es Streit um den "Helden-Empfang", den die Libyer im August dem aus schottischer Haft entlassenen Lockerbie-Attentäter Abdel Basset al-Megrahi bereitet hatten.

Die Schweiz wartet immer noch auf die Freilassung zweier Geschäftsleute, die in Libyen inhaftiert worden waren, nachdem zwischen beiden Staaten im vergangenen Jahr ein Streit um die vorübergehende Festnahme eines Gaddafi-Sohnes in Genf eskaliert war. Frankreich schickte den Staatssekretär für Entwicklungshilfe, Alain Joyandet, zu der Feier nach Libyen. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der vergangene Woche Gaddafis Gast gewesen war, nahm an den Feierlichkeiten, die am Abend nach dem Mahl zum islamischen Fastenbrechen ("Iftar") beginnen sollten, nicht teil. Er schickte jedoch eine Staffel der italienischen Luftwaffe, die den Jubilar mit ihren Kunststücken erfreuen sollte.

Libyische Opposition fordert Revolution der Revolution
Libysche Oppositionelle mit Sitz in London nahmen den Jahrestag zum Anlass, um zum Umsturz aufzurufen. Sie erklärten, Gaddafi sei Schuld daran, dass Libyen in seiner Entwicklung "zurückgeblieben" sei. In einer Erklärung der Nationalen Front für die Rettung Libyens hieß es, wer behaupte, die Herrschaft von Muammar al-Gaddafi sei die einzige Garantie für Stabilität und Sicherheit in Libyen, verstehe die innenpolitische Lage nicht. Falls Gaddafi eines Tages gestürzt werde, würde dies keinen Bürgerkrieg zur Folge haben.

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