Der Reisebus war nach einem Betriebsausflug zum Lipno- Stausee auf dem Heimweg. "Der Chauffeur wollte noch die Tschechen, die bei Wullowitz zugestiegen waren, zurückbringen und fuhr deshalb die ihm unbekannte Strecke entlang der Grenze", erklärte Martina Leonhartsberger, Chefin des Busunternehmens aus Aschach/Donau. In dem Bus saßen 32 Österreicher und zwölf Tschechen. Laut Feuerwehr ist der Bus unter einer steinernen Eisenbahnbrücke durchgefahren, wobei das Dach des Fahrzeuges völlig abgerissen wurde.
Der Lenker des Busses dürfte das Verkehrszeichen übersehen haben, das auf die Höhe der 3,2 Meter hohen Unterführung aufmerksam macht. "Er ist in die Unterführung gefahren. Dann ist er noch etwa 120 Meter weitergefahren und erst dann stehen geblieben", so der Sprecher der südböhmischen Polizei, Milan Bajcura.
Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind unter den 36 Verletzten 26 Österreicher. Laut Marek Slaby, Direktor des südböhmischen Rettungsdienstes, wurden zehn Patienten mit schweren und mittelschweren Verletzungen ins Unfallzentrum des Krankenhauses in Budweis eingeliefert. Acht davon waren Österreicher, die anderen beiden Tschechen.
In das Krankenhaus in Krumau seien zwei Menschen mit mittelschweren und sechs mit leichten Verletzungen - je vier Österreicher und Tschechen - gebracht worden. Noch am Unfallort sei mit den österreichischen Ärzten der Transport von drei Verletzten nach Freistadt und von einem Verletzten nach Linz vereinbart worden. Außerdem seien 14 leicht verletzte Österreicher mit einem Bus des oberösterreichischen Roten Kreuzes nach Freistadt gebracht worden, so Slaby.
Laut tschechischen Ärzten schwebte keines der Opfer in Lebensgefahr. Alle Verletzten seien bei Bewusstsein gewesen. Es handle sich großteils um Schnittwunden, Bauch- und Brustkorbquetschungen und Arm- bzw. Handfrakturen. "Sie hatten riesiges Glück. Der Unfall hätte deutlich schlimmer ausgehen können, weil das gesamte Dach des Busses weg ist", sagte Jan Tucek, Arzt aus Budweis gegenüber dem tschechischen Nachrichtenserver "Novinky".
Nach Angaben des Wiener Außenministeriums seien die Botschaft in Prag sowie der Honorarkonsul in Budweis eingeschaltet. Es seien bereits österreichische Vertreter unterwegs, um sich um die Verletzten in den beiden tschechischen Spitälern zu kümmern, teilte Außenamtssprecher Peter Launsky- Tieffenthal am Freitagabend mit.
Der südböhmische Rettungsdienst wies mittlerweile Vorwürfe des Leiters der Reisegruppe in der tschechischen Tageszeitung "Pravo" zurück, zu spät an den Unfallort gekommen zu sein. "Wir protestieren grundsätzlich gegen den Vorwurf der späten Ankunft an den Unfallort bei der Gemeinde Rybnik. Nachdem die Unfallmeldung eingetroffen war, ist der erste Wagen des südböhmischen Rettungsdienstes nach sieben Minuten am Unfallort eingetroffen", betonte die Sprecherin des Rettungsdienstes, Petra Kafkova.
Nach dem Unglück war die Straße in beiden Richtungen gesperrt, der Verkehr konnte erst Samstag früh wieder aufgenommen werden.