Siegeszuversicht

Heißer Wahlkampfauftakt der SPÖ in Wien

Österreich
01.09.2008 10:19
Mit einer Anfeuerung durch Wiens Bürgermeister Michael Häupl ist die SPÖ in ihren Wahlkampf in der Wiener Stadthalle gestartet. Der Stadtchef rief den rund 3.000 Parteigängern zu, es müsse gelingen, dass eine Regierung gegen die Sozialdemokratie nach dem 28. September unmöglich sei. Heftige Angriffe richtete Häupl gegen die ÖVP, mit der eine künftige Zusammenarbeit nur dann möglich sei, wenn sie ihre neo-liberale Politik beende und ihren "Hass" gegen die SPÖ ablege. Parteichef Werner Faymann beharrte später als Hauptredner auf seinem Programm gegen die Teuerung und Aus für Studiengebühren.

Objekt der bürgermeisterlichen Belustigung war in erster Linie Vizekanzler Wilhelm Molterer wegen dessen Ansage "Es reicht", mit der er die Neuwahl in Gang gebracht hatte: "Er hat recht, mit ihm reicht es uns schon lange." Aber mit seiner Entscheidung, die Koalition zu beenden, sei Molterer ohnehin nur seines eigenen Unglücks Schmied gewesen.

Häupl nimmt Populismus in Kauf
Aufgegriffen wurden von Häupl die Populismus-Vorwürfe gegen die SPÖ. Diesen Vorwurf nehme er in Kauf, wenn die Sozialdemokraten mit der Halbierung der Mehrwertsteuer etwas für das Volk tun wollten. Molterer tue nichts, da könne er natürlich auch nicht populistisch sein. Inhaltlich konzentrierte sich der Bürgermeister auf rote Klassiker wie die Verlängerung der Hacklerregelung und einen Mietererhöhungsstopp in den Gemeindebauten. Geworben wurde von Häupl für die Gesamtschule, die ÖVP sieht er als Blockierer: "Alles, was ein bisschen nach 21. Jahrhundert riecht, ist schon suspekt", meinte er in Richtung VP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer.

Neben der ÖVP kamen in Häupls Rede nur noch die Grünen als potenzieller Koalitionspartner vor. Aber auch die bekamen ihr Fett ab. Die Grünen sollten einmal ernsthaft Projekte umsetzen wollen und nicht immer nur beleidigt sein, wenn sie ein Sozialdemokrat nicht grüße.

Faymann beharrt auf Programm gegen Teuerung
Als Höhepunkt der Veranstaltung hat SPÖ-Chef Werner Faymann in seiner Rede auf klassische rote Kernthemen gesetzt. Der Spitzenkandidat verwies auf die Geschichte der SPÖ als Arbeitnehmer-Partei und setzte sich beispielsweise für die Fortsetzung der Hacklerregelung und Anti-Teuerungsmaßnahmen wie die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ein. Besonders großen Applaus der Interessierten fanden jene Passagen, in denen Faymann eine sozialere EU bzw. eine Abschaffung der Studiengebühren forderte.

Wie vor ihm Wiens Bürgermeister Michael Häupl wählte auch der rote Spitzenkandidat die ÖVP als Hauptziel seiner Angriffe. Parteichef Wilhelm Molterer und Altkanzler Wolfgang Schüssel bezeichnete Faymann als "Bremser-Duo", von dem nichts Neues mehr für das Land zu erwarten sei. Das einzige Konzept der ÖVP seien mäßige Lohnrunden und Nichtstun gegen die Teuerung.

Lob für alle Parteifreunde
Faymann umarmte seine Parteifreunde rhetorisch, in dem er wiederholte Male deren großen Einsatz im Wahlkampf würdigte. Besonders hob er die Gewerkschafter hervor, die er ja zuletzt bei der Listenerstellung für die Wahl wieder ins Boot geholt hatte: "Miteinander sind wir nicht zu schlagen." Auch der unter Beschuss geratene Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) wurde von Faymann in Schutz genommen. Nach einem Generalangriff auf den schwarzen Wahlkampf-Manager Hannes Missethon meinte Faymann: "Jeder hat den, den er verdient an der Spitze seiner Kampagne."

Inhaltlich positionierte sich der SPÖ-Vorsitzende nochmals mit seinem Bekenntnis zum Fünf-Punkte-Programm, das er durchs Parlament bringen will. Hinzu kam noch die Forderung nach 1.000 Polizisten auf der Straße, wobei sich Faymann einen kleinen Verweis auf die gestohlene Handtasche von Innenministerin Maria Fekter (V) nicht verkneifen wollte. Versprochen wurde von Faymann voller Einsatz für die Umsetzung der Wahlbotschaften. Was in den letzten 20 Monaten nicht gelungen sei, werde man in den nächsten fünf Jahren umzusetzen versuchen: "Wir stehen zu unserem Wort."

Häupl "schlägt" Faymann
Faymanns Rede wurde übrigens von jener Häupls übertroffen - was die Länge betrifft. Der Einpeitscher brauchte zwei Minuten länger als der Hauptredner, um seinen Vortrag zu einem Abschluss zu bringen.

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