Eine alte Allianz aus dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna und der russischen Autofirma GAZ interessiert sich für die Übernahme der GM-Tochter Opel und hat aus diesem Zweck bei der deutschen Regierung vorgefühlt. Magna-Spitzenmanager Siegfried Wolf hat mit General-Motors-Europachef Carl-Peter Forster gesprochen, Vertreter der Russen haben beim deutschen Außenminister und SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier angeklopft, berichtete die "Rheinische Post" am Donnerstag.
Die deutsche Regierung hielt sich zu dem Bericht genauso bedeckt wie Magna International, deren Sprecher im niederösterreichischen Oberwaltersdorf keinen Kommentar abgeben wollte.
Wiederauferstehung einer alten Allianz?
Ein gemeinsames Vorgehen von Frank Stronach und Oleg Deripaska wäre die Neuauflage einer Allianz, die im Oktober 2008 zerbrochen ist: Damals musste GAZ-Eigentümer Deripaska unter dem Druck der Wirtschaftskrise seinen Anteil an der Magna abgeben. Im September 2007 hatte Deripaskas "Russian Machines" 20 Prozent der Magna-Aktien und indirekt 43 Prozent der Stimmrechte an Magna übernommen.
Auch heute beliefert Magna noch GAZ, den zweitgrößten russischen Autobauer, der unter anderem in Nischnij Nowgorod produziert. Die Geschäfte zwischen den Ex-Partnern sind aber wegen der schwindenden Autonachfrage auch in Russland stark zurückgegangen. Als dritter, wenig sichtbarer Partner einer erneuerten kanadisch-russischen Allianz würde ein weiterer Bundesgenosse auf der Rückbank Platz nehmen, schreibt die "Rheinische Post": "Die größte Bank Russlands, die Sberbank, möchte sich ebenfalls an einem möglicherweise neu gegründeten, europäischen Opel-Konzern beteiligen, sollten Magna und GAZ den Zuschlag bekommen."
Finanzhilfen aus Berlin Bedingung für Magna-Einstieg
Sberbank ist das größte Kreditinstitut des Landes, es wird von dem früheren Wirtschaftsminister German Gref geführt, einem Freund von Ministerpräsident Wladimir Putin. "Durch den Opel-Deal könnten sich die Russen Zugang zur deutschen Automobiltechnologie verschaffen und zu den Chinesen und Indern aufschließen, die sich derzeit systematisch in europäische Industriefirmen einkaufen", erläutert die Zeitung das strategische Kalkül.
Magna und GAZ machten Finanzhilfen durch Berlin zur Bedingung für einen Einstieg. Dass Magna grundsätzlich bereit ist, seine Rolle als reiner Zulieferer aufzugeben, hat das Unternehmen bereits mit seinem Interesse beim Verkauf von Chrysler durch Daimler kundgetan. Der Magna-Konzern hat im vergangenen Jahr mit GM fünf Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) Umsatz gemacht, bei einem Gesamtumsatz von 24 Milliarden Dollar (18,4 Milliarden Euro).
General Motors will für den Verkauf von Opel angeblich keinen Kaufpreis lukrieren, soll aber verlangen, dass ein Investor mindestens 500 Millionen Euro Eigenkapital einschießt. Den Rest der rund 3,3 Milliarden Euro, die Opel kurzfristig zum Überleben braucht, sollen Banken unter Beteiligung der Bundesrepublik, von Opel-Händlern und von Arbeitnehmern beisteuern. General Motors hatte Opel im Zug der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 übernommen.
Neue Finanzprobleme bei Opel-Mutter GM
Die strauchelnde Opel-Mutter GM liefert derweil neue Negativschlagzeilen. Das Unternehmen hält die Rückzahlung eines am 1. Juni fällig werdenden Kredits von einer Milliarde Dollar (772 Millionen Euro) für unwahrscheinlich. Zu diesem Zeitpunkt werde GM voraussichtlich seine Schuldenlast entweder durch eine freiwillige Umwandlung oder unter der Aufsicht eines Insolvenzgerichts umstrukturieren müssen, sagte eine GM-Sprecherin am Mittwoch. Das "Wall Street Journal" (WSJ) hatte zuvor den GM-Finanzvorstand Ray Young damit zitiert, der Konzern plane nicht die Rückzahlung der am 1. Juni fällig werdenden Anleihe.
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