Finale beim österreichweit bisher einzigartigen Wunderheiler-Prozess in Ried: „Man klammert sich an jeden Strohhalm“, sagen viele der Opfer von Morton alias Siegfried Danner (62) und seiner Exfrau Christine (52). Mit Blutritualen, angeblich heilenden Steinen und Kristallen oder mit Reichtumsmünzen wurde ihnen, so Staatsanwalt Alois Ebner, Geld herausgelockt. Handwerker, Hilfsarbeiterinnen, aber auch Unternehmerinnen und Reitstallbesitzer erhofften sich meist Hilfe in Beziehungsfragen. Ihre Erzählungen vor Richter Reinhart Daghofer kamen einem wahren Seelenstriptease gleich.
Psychische Ausnahmesituationen als Motivation, „Mortons“ Dienste in Anspruch zu nehmen, lässt Verteidiger Gerhard Stranzinger aber nicht gelten. Ganz nach dem Motto: Wer Wunder erhoffte und dafür zahlte, ist selber schuld. Kein Mitleid auch mit einer Landwirtin (26), die um das kranke Vieh bangte. „Morton“ ortete negative Einflüsse der Nachbarn und der Schwiegermutter und kassierte 145.000 Euro, die aus einem Kredit für den Stallbau stammten. Wenn die Sitzungen aufhören, ginge das Unheil auf die Tochter über, soll der „Voodoo-Zauberer“ gedroht haben: „Ich habe meinen Mann unter Druck gesetzt, dass er immer weiterzahlt.“
Wo das Geld geblieben ist, bleibt weiterhin unklar. Auch ein Schließfach der Eheleute Danner in Passau war leer. Ebenso wenig verriet „Morton“ von seinen Heilkräften. Nur so viel: Während er seinen Klienten versprach, in einem Nebenraum mental zu arbeiten, „habe ich mich halt vor den Fernseher gesetzt.“
Das nicht rechtskräftige Urteil: sechs Jahre Gefängnis für „Morton“ und fünf Jahre Haft für seine Ex-Gattin.
Foto: Chris Koller
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