"Vielleicht ist er in London oder auf seiner Jacht in Griechenland" – auch die Vertrauten von Rakhat Alijev wissen derzeit nicht, wo sich der Ex- Botschafter (vermutlich mit anderer Identität) aufhalten könnte. Nur eines dürfte fix sein: In Österreich weilt der frühere Schwiegersohn des allmächtigen Staatschefs Nasarbajev schon lang nicht mehr.
Für Wirbel sorgt der Kasache trotz seiner Abwesenheit hierzulande aber immer noch: Nach der Aufregung im Spitzel- U-Ausschuss wurde nämlich erneut Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingebracht. Konkret geht es um zwei Beamte – einer sitzt im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung – und mögliche Interventionen beim Aufenthaltstitel für den in Ungnade gefallenen Diplomaten. Alijev wurde vom Wiener Magistrat abgewiesen, bekam dann in Niederösterreich aber binnen eines Tages einen Bescheid.
Und zu allem Überdruss soll jetzt auch noch ein Video aufgetaucht sein, das Alijev bei einer Bluttat in seiner Heimat zeigen soll. Ein Ex- Spion: "Mit dem Band wollen ihn nun der Ex- Geheimdienstchef und ein Vertrauensmann erpressen. Es geht um sehr viel Geld."
Indes ist der mutmaßliche kasachische Spion Ildar A., gegen den wegen geheimer nachrichtendienstlicher Tätigkeit zum Nachteil der Republik Österreich ein Geschworenenprozess anhängig ist, wieder in U- Haft genommen worden. Das Wiener Oberlandesgericht leistete einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft Folge, nachdem der 61- Jährige nach seiner Verhaftung auf freien Fuß gesetzt worden war.
Ildar A., der Anfang Oktober seinen Reisepass hinterlegen musste, kam dem Beschluss nach und bezog am Freitag eine Zelle im Landesgerichtlichen Gefangenenhaus. Am 14. Jänner wird die Verhandlung beginnen. Bereits am zweiten Verhandlungstag, dem 18. Jänner, sollen die Schlussvorträge des Staatsanwalts und des Verteidigers sowie anschließend die Urteilsberatung folgen.
Der 61- jährige Kasache soll im Sommer 2008 in die gescheiterte Entführung eines Vertrauten Rakhat Alijevs verwickelt gewesen sein. Drei Männer sollen am 17. Juli 2008 versucht haben, sich des ehemaligen KNB- Chefs Alnur Mussajew zu bemächtigen, der mit dem Ex- Botschafter befreundet war. Ildar A. soll dabei im Hintergrund die Fäden gezogen haben und unter anderem während der beabsichtigten Entführung mit den Tätern telefoniert haben. Der Angeklagte hat stets sämtliche gegen ihn gerichteten Vorwürfe abgestritten. Er betrachtet sich als Opfer einer gegen ihn gerichteten Verschwörung, die Alijev organisiert haben soll.
Hintergrund der mutmaßlichen Verbrechen sind die Versuche der kasachischen Regierung, bei den österreichischen Behörden die Auslieferung des in seiner Heimat u.a. wegen Entführung zu 40 Jahren Haft verurteilten Alijevs zu erreichen. Österreich verweigerte die Auslieferung, mehrere Entführungsversuche schlugen fehl.
von Gregor Brandl und Christoph Budin (Kronen Zeitung) und krone.at