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Kumpel kämpft in 700 Meter Tiefe mit Zahnschmerzen

07.09.2010, 13:11
Kumpel kämpft in 700 Meter Tiefe mit Zahnschmerzen
Die Lage der in Chile seit über einem Monat in einer Mine eingeschlossenen 33 Bergleute wird zusehends prekärer: Als wäre die Situation nicht schon schlimm genug, leidet einer der Männer nun auch noch unter heftigen Zahnschmerzen. Laut dem chilenischen Fernsehen haben die Behörden bisher keine Möglichkeit gefunden, dem Kumpel, der sich mit seinen Kollegen in 700 Meter Tiefe befindet, zu helfen. Den Experten bereite die Situation des Kranken erhebliche Sorgen, weil bis zu der Rettung der Männer voraussichtlich noch rund drei Monate vergehen werden.

Wie das Fernsehen am Dienstag weiter berichtete, seien bisher lediglich schmerzlindernde Tabletten durch eine der engen Versorgungsröhren geschickt worden. Darüber, wie dem Mann nun in weiterer Folge geholfen werden könnte, würde demnach derzeit von Experten vor Ort beraten.

Plötzlicher Entzug unter Tag

Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass einige der eingeschlossenen Kumpel an Alkohol- und sogar Drogen- Entzugsproblemen leiden. Laut den Behörden hatten mehrere der Männer in der Vergangenheit zur Bekämpfung der Angst unter Tage teils schwer getrunken. Seither macht den Bergleuten der plötzliche Entzug unter Tag zu schaffen.

Die Kumpels hatten bei ihrer ersten Telefonverbindung mit Staatspräsident Sebastian Pinera um ein "Gläschen Wein" gebeten, angeblich weil sie den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Chiles feiern wollten. Bisher bleiben die Verantwortlichen der Bergungsoperation jedoch strikt dabei, dass die Eingeschlossenen weder Tabak noch Alkohol bekommen. Demnach wäre dies in der Ausnahmesituation, in der sich die Männer befinden, unverantwortlich und gefährlich.

Kommunikation per Bildtelefon

Indes haben die Angehörigen der Bergleute am Wochenende erstmals per Bildtelefon mit den Männern in 700 Meter Tiefe sprechen können (Bild). "Sie sahen gut aus. Sie konnten uns nicht sehen, aber wir wollten sie sehen", erzählte Antonia Godoy, Mutter eines Kumpels. "Es war sehr aufwühlend. Man hätte sie so gerne direkt aus dem Bildschirm geholt", fügte die Frau hinzu, die wie alle Angehörigen seit Wochen in dem Zeltlager "Esperanza" (Hoffnung) über der Mine campiert.

Zuspruch erhielten die Verschütteten auch von Überlebenden eines viel früheren Unglücks, das als "Wunder der Anden" bekannt wurde. Vier der zwölf Uruguayer, die 1972 nach dem Absturz ihres Flugzeugs in den Anden mehr als zehn Wochen im Eis überlebt hatten, reisten zu dem Bergwerk San José in der Atacama- Wüste und überbrachten den Eingeschlossenen eine Botschaft. "Wenn dies alles ausgestanden ist und Jahre vergangen sind, werden euch die jetzigen Probleme angesichts der Freude am Leben wie eine Nebensächlichkeit erscheinen", sagte etwa Ramon Sabelle.

Streng geregelter Tagesablauf

Mittlerweile hat einer der Bergleute auch den Tagesablauf der Männer geschildert: Für die eingeschlossenen Kumpel beginnt jeder Tag früh um 7.30 Uhr. Nach dem Frühstück mit Sandwiches und Joghurt räumen sie auf, bevor sie über die Gegensprechanlage medizinisch beraten oder von ihrem Anführer Luis Urzua auf den neuesten Stand der Rettungsarbeiten gebracht werden. Nach dem Mittagessen stehen Gruppendiskussionen an. Dann ist Zeit für die Post. Abendessen gibt es um 20 Uhr, die Nachtruhe beginnt zwischen 22 und 23 Uhr.

Bohrung geht nur langsam voran

Die am Montag vergangener Woche begonnene erste Bohrung eines Rettungsschachtes ist inzwischen bei einer Tiefe von 100 Meter angelangt. Wenn diese zunächst nur enge Röhre bei den Eingeschlossenen angekommen ist, muss sie in einem zweiten Schritt von unten nach oben aufwärtsbohrend auf etwa 70 Zentimeter erweitert werden. Erst dann können die Verschütteten einer nach dem anderen in einer Rettungskapsel nach oben gezogen werden. Da jede Kapsel zwischen einer halben und einer Stunde für die 700 Meter brauchen wird, soll sie mit Sauerstoff, Wasser, Lebensmitteln, Licht und einer Gegensprechanlage ausgestattet werden.

Seit Sonntag ist ein zweiter Bohrer vom Typ Schramm T 130 XT im Einsatz, der schneller zu den Kumpeln vorstoßen soll. Ein drittes, wesentlich größeres Bohrgerät ist auf dem Weg zu der Kupfer- und Goldmine etwa 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago. Dieser Bohrer ist wesentlich größer und stärker als die beiden anderen. Um alle Teile zu der Mine zu bringen, sind 42 Lastwagen notwendig, auch der Aufbau wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Rettung wohl nicht vor Dezember

Wenn der Bohrer aber erst einmal einsatzbereit sei, könne er laut den Behörden viel schneller als die anderen beiden Geräte vorankommen. Trotzdem geht Bergbauminister Laurence Golborne nicht davon aus, dass die eingeschlossenen Männer früher als bisher geplant aus ihrem Gefängnis unter der Erde befreit werden können. Vermutlich werde die Rettung erst Anfang Dezember gelingen, so Golborne.

Hitze, Luftmangel und Dunkelheit

Die Bergleute sind seit dem Einsturz eines Tunnels am 5. August eingeschlossen. Durch enge Versorgungsröhren erhalten sie Nahrung, Wasser, Medikamente, Kleidung und sogar Feldbetten. Die Lebensbedingungen in der großen Tiefe sind jedoch dennoch äußerst hart: hohe Luftfeuchtigkeit, Hitze um die 35 Grad, Luftmangel und Dunkelheit. Und zum Ganzen kommt die lange Ungewissheit, ob die Rettung tatsächlich klappen wird.

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