Sa, 18. November 2017

Superhelden-Game

24.10.2017 12:26

„South Park“ greift Zwerchfell und Rektum an

Mit "South Park: Der Stab der Wahrheit" landete Ubisoft 2014 einen Überraschungserfolg. Drei Jahre später findet das Rollenspiel nun mit "South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" seine Fortsetzung. Der Anarcho-Humor ist geblieben, aus Magiern, Elfen & Co. sind jedoch Superhelden geworden.

"South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" knüpft nahtlos an die Ereignisse des Vorgängers "South Park: Der Stab der Wahrheit" an, wechselt nach einer kurzen Einführung jedoch schnell das Genre: weg von der Fantasy, hin zu Superhelden. Gamer schlüpfen erneut in die Rolle des wortkargen "Neuen", der diesmal allerdings auch eine "Neue" sein darf. Und: Die Hautfarbe der eigenen Spielfigur lässt sich erstmals anpassen, von blassweiß bis tiefschwarz - angepriesen wird das von den Machern humorigerweise als Anpassung des Schwierigkeitsgrades.

Pipi, Kacka, Popel
Ja, politisch korrekt war "South Park" eben noch nie. Auch im neuen Abenteuer bekommt alles und jeder sein Fett weg, gleich welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe oder Religion. Sämtliche Klischees werden bedient, zugleich jedoch auch konterkariert und persifliert. Garniert wird das Ganze mit dem für die Serie typischen Fäkalhumor, aber auch einer gehörigen Portion erfrischender kindlicher Naivität, die einem immer wieder vor Augen führt, dass Cartman & Co. trotz Helden-Habitus nach wie vor (relativ) gewöhnliche Kids sind. Da muss ein Kampf auf offener Straße dann schon einmal unterbrochen werden, um ein Auto passieren zu lassen.

Superhelden-Rollenspiel
Aller Witze zum Trotz: Im Kern ist auch "South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" wieder ein waschechtes Rollenspiel geworden - inklusive verschiedener Klassen (von denen anfangs allerdings nur drei zur Auswahl stehen), allerlei Quests, umfangreichen Loot- und Crafting-System sowie einer stetig wachsenden Party an Superhelden - mit dabei sind u.a. der Coon, Human Kite, Super Craig, Captain Diabetes oder Callgirl -, die den Neuen im Kampf gegen den niederträchtigen "Professor Chaos" alias Butters unterstützen.

Dynamischere Kämpfe
Entscheidend für den Erfolg ist demnach auch ganz klassisch, wie das Team zusammengesetzt wird, um die einzelnen Talente effektiv zu nutzen. Das rundenbasierte Kampfsystem wurde gegenüber dem Vorgänger deutlich dynamischer gestaltet und erlaubt nun - gemäß dem eigenen Radius - eine freie Positionierung auf dem Schlachtfeld. Entsprechend gibt es, wie beim Schach, direkte Angriffe oder solche über mehrere (umliegende) Felder hinweg. Zudem besteht neuerdings die Möglichkeit, gegnerische Angriffe durch einen Quick-Time-Event zu blockieren bzw. abzuschwächen.

Mehr vom Gleichen
In optischer Hinsicht darf man sich hingegen wenig Neues erwarten. Als Kulisse dient großteils abermals das titelgebende fiktive US-Städtchen mit seinen nahezu identen Reihenhäusern, Shops und Restaurants, an denen man sich recht bald satt gesehen haben dürfte - auch, weil dieselben Wege mehrfach zurückgelegt werden müssen. Die gegenüber dem Vorgänger mangelnde Kreativität in puncto Schauplatzwahl ist denn auch der Hauptkritikpunkt am Spiel.

Fazit: Wer "South Park" mag, wird "Die rektakuläre Zerreißprobe" lieben. Gekonnt führt das Spiel die liebenswürdig-schrulligen Charaktere der Animationsserie zu quasi einer extralangen Folge zusammen. Der Spielspaß kommt dabei nicht zu kurz: Das dynamische Kampfsystem, die vielfältigen Individualisierungsmöglichkeiten mittels Crafting und sogenannter Artefakte sowie herrlich unkonventionelle und politisch inkorrekte Quests bieten Herausforderung und Unterhaltung. Die Kulisse weist allerdings bereits erste Abnützungserscheinungen auf und lässt Abwechslung vermissen.

Plattform: Xbox One (getestet), PS4, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 8/10

Sebastian Räuchle
Redakteur
Sebastian Räuchle
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