Do, 23. November 2017

Hat er zugeschlagen?

11.03.2015 11:34

„Top Gear“-Star Clarkson von der BBC suspendiert

Bislang war Jeremy Clarksons Position in der britischen Kult-Autosendung "Top Gear" unzerstörbar wie der legendäre Toyota Hilux, den die Autofreaks vor mehr als zehn Jahren sogar mit einem Hochhaus gesprengt haben. Doch nun scheint der 54-Jährige, der von den Sendungsverantwortlichen bereits mehrfach angezählt worden war, tatsächlich zu weit gegangen zu sein. Angeblich ist er gegenüber einem Produzenten der Sendung handgreiflich geworden.

Offiziell bestätigt ist lediglich eine Auseinandersetzung Clarksons mit einem Produzenten, doch es verdichten sich die Hinweise darauf, dass der Moderator den Mann geschlagen haben soll. Das Nachrichtenportal BBC News berichtete am Mittwoch von anonymen Quellen, die das bestätigt hätten. Möglicherweise war er ausgerastet, weil sich nach einem Dreh die Verpflegung verzögert hatte.

Polarisierender "Top Gear"-Erfolgsgarant
Die preisgekrönte BBC-Sendung ist schlicht und ergreifend Kult, so etwas wie ein televisionärer Altar für Autoenthusiasten mit Clarkson und seinen "Copiloten" Richard Hammond und James May als Priester. Ihr Humor ist teils derb, respektlos und polarisierend, wobei sich der Anchorman auch regelmäßig selbst auf den Arm nimmt. Sogar mehrere Jahre alte "Top Gear"-Folgen bannen die Fans vor die Fernsehgeräte bzw. verkaufen sich per DVD-Boxen.

Doch nun wurde Jeremy Clarkson von der BBC suspendiert. Zumindest vorläufig, hieß es. Hintergrund sei eine "Auseinandersetzung mit einem Produzenten der Sendung", es gebe eine "interne Untersuchung". Der genaue Anlass, der das Fass wohl zum Überlaufen gebracht hat, bleibt unklar. Die Sendung am kommenden Sonntag falle jedenfalls aus.

Clarkson ist seit 1988 Hauptmoderator von "Top Gear", abgesehen von der Sendepause zwischen Februar 2000 und Oktober 2002, seither in neuem Format. Er hat sich schon mehrmals für derbe Aussagen und Aktionen entschuldigen müssen. So etwa für den Ausspruch, streikende Arbeiter sollten vor ihren Familien erschossen werden. Bereits 1998 beschwerte sich Hyundai, weil Clarkson auf der Birmingham Motor Show "behauptet" hatte, Mitarbeiter des koreanischen Herstellers hätten einen Hund gegessen. Mitarbeiter am BMW-Stand bezeichnete er als Nazis, die Autos als "Nazi-Stabsfahrzeuge". Ein Hitlergruß löste Zuschauerproteste aus.

Bei einem Dreh in Argentinien setzte er ein Auto ein, dessen Kennzeichen die Argentinier provozierte, in dem es sich auf den Falkland-Krieg bezog. Und immer wieder erntete er Kritik wegen rassistischer Aussprüche und Witze. Zuletzt sagte er selbst, im Mai 2014, er sei zu oft un angenehm aufgefallen und würde bei der nächsten anstößigen Bemerkung gefeuert.

Dies nur als Auszug aus der "BBC-Akte Clarkson". Fakt ist: Er ist höchst erfolgreich und zieht mit seinen Kollegen auch Zuschauer an, die sich eigentlich nicht sehr für Autos interessieren. Ob sich die BBC den Verzicht auf dieses Zugpferd leisten kann und will, wird sich nun zeigen. Hammond und May wurden nicht aus dem Spiel genommen.

Übrigens hatte auch der eingangs erwähnte Toyota Hilux für Aufregung gesorgt: Clarkson rammte im Februar 2004 mit dem Wagen eine 30 Jahre alte Rosskastanie, um die Unzerstörbarkeit des Japaners zu beweisen. Die Folge war eine Schadensersatzzahlung der BBC an die örtliche Gemeinde.

Besagter Hilux sah am Ende extrem ramponiert und zerstört aus - doch auch nach unzähligen Torturen inklusive Feuer und Wasser sowie nachdem ein Hochhaus gesprengt worden war, auf dessen Dach er stand, sprang er immer wieder an - die Fans hoffen auf ein ähnliches Durchhaltevermögen bei Jeremy Clarkson: Unter dem Hashtag #BringBackClarkson (Bringt Clarkson zurück) formiert sich Widerstand.

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