Nicht erst das abscheuliche Sexualverbrechen, bei der eine Ehefrau von ihrem Mann zu Tode gepeinigt wurde, zeigt einmal mehr, dass Gewalt in allen Ausprägungen und allen Bereichen zunimmt. Es bedarf gar nicht der Aufzählung unzähliger Kriege oder bewaffneter Konflikte, um zu erkennen, dass Gewalt leider immer mehr zur Normalität wird. Bevor nun die große Entrüstung ausbricht und jeder diese Feststellung entrüstet zurückweist, ist ein ehrlicher Blick angebracht. In vielen Partnerschaften wird offen oder verdeckt sowohl psychisch als auch physisch Gewalt ausgeübt, Kinder und Jugendliche verlernen zunehmend das gemeinsame, harmonische Spiel und digitale Medien zeigen den Menschen, dass Gewalt Konflikte löst. Immer öfter wird Gewalt als möglicher Problemlöser dargestellt. Im Straßenverkehr wird um Zentimeter gekämpft, werden die Straßenverkehrsvorschriften bewusst missachtet, Exekutivorgane bedroht oder tätlich angegriffen. Bei vielen gemütlichen Zusammenkünften oder Familienfeiern werden politische oder gesellschaftliche Themen vermieden, zu groß die Bedenken und Gefahr, dass Diskussionen in Streit und Zank enden. Die Menschen finden die zunehmende Gewalt bedrohlich, leiden darunter und verhalten sich selbst, wenn auch oft unbewusst, aggressiv oder abwertend. Gewalt beginnt in Gedanken, wird ausgeübt über Sprache oder Tätlichkeiten. Sind wir nicht bereit, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und verbal abzurüsten, wird sich die Gewaltspirale weiterdrehen. Es liegt an jedem Einzelnen, einen Beitrag zum menschlichen Zusammenleben zu leisten und der Gewalt eine klare Absage zu erteilen. Weder Politik noch die Zeit macht Gewalt, wir selbst lassen diese zu und üben diese aus.
Franz Peer, Linz
Erschienen am Sa, 12.9.2026
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