Seit vielen Jahren wird an unserem Bildungssystem herumgepfuscht, ohne dass gravierende Verbesserungen eingetreten sind. Ein großer Teil des überforderten Bildungssystems, des Lehrermangels und der fehlenden Unterstützung der Schüler durch kostenlose Förderstunden ist im ewigen Hickhack zwischen Politik und der dominierenden Lehrergewerkschaft zu suchen. Nach eigenen Angaben lernen rund 70 Prozent der Eltern zusätzlich mit ihren Kindern. Trotzdem ist die Tatsache, dass mehr als 330.000 Schülerinnen und Schüler (32 Prozent der Kinder und Jugendlichen) Nachhilfe benötigen, ein Armutszeugnis für unser Bildungssystem. Nachhilfe ist zur Normalität geworden! Auffällig ist, dass immer mehr Kinder schon in der Volksschule Nachhilfe brauchen. Dass es auch im Schulsystem längst ein Zwei-Klassen-System gibt, zeigt die traurige Entwicklung, dass viele Kinder auf der Strecke bleiben, weil sich ihre Eltern keine Nachhilfestunden leisten können. Familien und Kinder aus ärmeren Familien stehen durch Ungleichheit unter Druck. Kinder, welche eigentlich mit Freude in die Schule gehen sollten, haben Angst zu versagen. Eltern, welche sich Nachhilfe für ihre Kinder leisten können, zahlen insgesamt bereits rund 144 Millionen Euro (rund 720 Euro pro Kind) und hoffen, dass ihre Schützlinge damit die Anforderungen schaffen. Die Folgen der Bildungskrise für die Gesellschaft zeigen sich immer deutlicher. Ankündigungen, Lippenbekenntnisse und Sparprogramme werden nichts verändern.
Mag. Hans Rankl, St. Pölten
Erschienen am Do, 20.8.2026
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