Die Debatte in manchen Medien um die Suspendierungen gewalttätiger Schüler zeigt einmal mehr, wo das eigentliche Problem in unserem Bildungssystem liegt. Während Medien und selbst ernannte Experten gebetsmühlenartig über Resozialisierung und Chancen für die Täter sprechen, vergisst man völlig auf diejenigen, die Schutz am dringendsten brauchen. Nämlich die Opfer sowie die Lehrerinnen und Lehrer, die tagtäglich den Kopf hinhalten müssen. Dass der Großteil dieser Suspendierungen in Wien stattfindet, überrascht kaum. Schuldirektoren beschreiben die Lage zu Recht als Sisyphusarbeit: Wenn fast erwachsene Jugendliche in den unteren Klassen sitzen, die jeglichen Respekt vor den Mitmenschen verloren haben und denen Schule schlichtweg egal ist, sind den Pädagogen die Hände gebunden. Die Rückfallquoten sprechen eine deutliche Sprache – reine Suspendierungen verpuffen, wenn keine Konsequenzen folgen. Das ständige Herumeiern der Politik – von Bildungsminister Wiederkehr bis hin zu diversen Experten – bringt absolut gar nichts. Solange man versucht, die Erziehungsarbeit der Eltern komplett auf die Schule abzuwälzen, ist jede Maßnahme für die Katz. Schule soll Wissen vermitteln und ein sicherer Ort sein, kann aber versäumte Erziehung im Elternhaus oder in Wohngemeinschaftseinheiten nicht ersetzen. Wer Gewalttäter schützt, statt Opfer zu bewahren, stellt das System auf den Kopf.
Josef Pratsch, Angern
Erschienen am Do, 20.8.2026
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