Dort werden Versprechen nicht gebrochen, sie werden einfach neu definiert. Die Gesundheitsministerin versicherte wochenlang, dass keine Spitäler geschlossen werden. Jetzt heißt es plötzlich, die Standorte bleiben ja. Ob dort allerdings noch ein Krankenhaus betrieben wird? Ach, das ist offenbar ein Detail. Das ist die hohe Schule der semantischen Taschenspielerei. Nach dieser Logik ist ein leeres Wirtshaus wohl auch kein Gasthaussterben – solange das Gebäude noch steht. Und eine geschlossene Bäckerei ist keine geschlossene Bäckerei, wenn das Schild an der Fassade hängen bleibt. Für die Menschen zählt nicht das Türschild, sondern die Versorgung. Wer im Ernstfall vor verschlossenen Abteilungen oder längeren Anfahrtswegen steht, wird sich kaum damit trösten, dass der Standort auf dem Papier ja noch existiert. Aus einem klaren Versprechen wurde ein rhetorischer Eiertanz. Politisch mag das geschickt sein, glaubwürdig wirkt es nicht.
Werner Pilz, Leoben
Erschienen am Mi, 15.7.2026
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