Belgiens überzeugendes 4:1 gegen die USA war pure Genugtuung. Nicht, weil Amerika verlor, sondern weil am Ende wieder der Fußball gewann. Karma und europäischer Fußball haben das System der Korruption überlistet. Mehr Blamage geht nicht. Der eigentliche Skandal spielte sich nämlich schon vor dem Anpfiff ab. Ein Telefonat des US-Präsidenten mit FIFA-Präsident Infantino, die aufgehobene Sperre für Folarin Balogun und ein weltweiter Eindruck, der verheerender kaum sein könnte: Plötzlich stand nicht mehr das Spiel im Mittelpunkt, sondern die Frage, ob politische Macht bis in die Kabinen des Weltfußballs reicht. Selbst wenn jede Entscheidung formal korrekt gewesen sein sollte – Glaubwürdigkeit lebt nicht allein von Paragrafen, sondern vom Vertrauen in ihre Unabhängigkeit. Genau deshalb war dieser belgische Sieg so bedeutend. Er erinnerte daran, dass sich ein Fußballspiel immer noch mit Disziplin, Teamgeist und Qualität entscheiden sollte – nicht mit Telefonaten aus Präsidentenbüros. Der Fußballplatz darf keine Bühne für politische Eitelkeiten werden. Er ist einer der letzten Orte, an dem Rang, Reichtum und Macht im Idealfall mit dem Anpfiff ihre Bedeutung verlieren. Die FIFA trägt dabei eine enorme Verantwortung. Sie muss nicht nur unabhängig sein, sondern auch jeden Zweifel daran vermeiden. Denn Vertrauen ist im Sport genauso wichtig wie Regeln – und ungleich schwerer zurückzugewinnen, wenn es einmal verspielt wurde. Belgien hat an diesem Abend nicht nur ein Viertelfinalticket gelöst. Es hat daran erinnert, warum Milliarden Menschen diesen Sport lieben: weil dort nicht der politisch Mächtigste gewinnt, sondern der sportlich Bessere. Genau deshalb endet ein Fußballspiel nach 90 Minuten – und nicht nach einem Telefonat.
John Patrick Platzer, Rauth
Erschienen am Mi, 8.7.2026
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