Jetzt ist es amtlich: Wer heute noch glaubt, Russland führe in der Ukraine lediglich einen „Spezialeinsatz“, der hat den Bezug zur Realität verloren. Ein Krieg hinterlässt nicht nur zerstörte Städte – er hinterlässt zerstörte Menschlichkeit. Unzählige unschuldige Menschen verlieren ihr Leben, Familien werden auseinandergerissen, Frauen misshandelt, Kinder ihrer Zukunft beraubt. Dafür tragen diejenigen Verantwortung, die diese Verbrechen befehlen, ermöglichen oder bewusst unterstützen. Wir Österreicher wissen, wie lange die Schatten der Geschichte über Generationen reichen können. Deshalb sollte jeder Mensch erkennen, welche Last Kriege den kommenden Generationen aufbürden. Jeder General, der Angriffe auf die Zivilbevölkerung befiehlt, trägt Verantwortung für das vergossene Blut. Und jedes Land, das einen Angriffskrieg wissentlich unterstützt oder davon profitiert, muss sich fragen lassen, welche Mitverantwortung es trägt. Für mich ist es unvorstellbar, dass wir im 21. Jahrhundert noch immer mit der Sprache der Gewalt statt mit der Sprache der Vernunft sprechen. Als hätten manche die Keule der Steinzeit nie abgelegt. Solange Macht über Mitgefühl gestellt wird, bleibt Frieden ein ferner Traum. Mit den Milliarden, die in Waffen und Zerstörung fließen, könnten wir unseren Planeten heilen, Hunger lindern und gemeinsam eine lebenswerte Zukunft schaffen. Stattdessen investieren wir in Tod, Angst und Hass. Und wenn jemand an Gott, Allah oder einen anderen Namen für den Schöpfer glaubt, dann sollte er wissen: Das Leben zu achten, ist eines der höchsten Gebote. Wer bewusst Unschuldige tötet, verrät nicht nur die Menschlichkeit, sondern auch den Glauben, auf den er sich beruft. Mein Schöpfer lehrt mich einen einfachen Satz, der mehr wert ist als jede Ideologie: „Tu keinem Menschen an, was du selbst nicht erleiden möchtest.“ Wer nach diesem Grundsatz lebt, hat den Kern des Glaubens verstanden. Alles andere führt weg vom Licht und hin zur Dunkelheit. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
Josef Lechner, Sinabelkirchen
Erschienen am Mi, 8.7.2026
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