Das freie Wort

Vorbilder für Österreich?

Israel, USA, Großbritannien, zeitweise auch Schweden, diese Länder werden oft als Vorbilder gelobt, wenn es um die Bekämpfung der Pandemie geht. Doch bei genauerem Hinsehen war das eher eine Flucht nach vorne mit Rekorden an Impfungen, andererseits aber auch an Todesopfern – nach den anfänglichen Versäumnissen. Während wir, wie die meisten anderen europäischen Staaten, die Beschaffung der Impfstoffe nach einer abgeschlossenen Testung durch die Herstellerfirmen und der Genehmigung durch die EMA über einem gemeinsamen EU-Schlüssel vornahmen, in der Zwischenzeit aber der Bevölkerung schon konsequente Schutzmaßnahmen auferlegten, leugneten Trump, Netanyahu und Johnson noch die Gefährlichkeit der Coronaviren, verharmlosten sie als eine Art Grippe und protzten sogar noch mit der eigenen Stärke und angeblichen Robustheit. Erst als die Todesfälle in ihren Ländern schon dramatisch um ein Vielfaches im Vergleich zum EU-Schnitt angestiegen waren, wurden sie panisch und begannen, mit einer Notverordnung mit Impfungen der noch nicht fertig getesteten Impfstoffe von Pfizer und Moderna. So überholten sie uns zwar bei der Anzahl der Geimpften, hatten aber dennoch längere Lockdown-Phasen – und das Entscheidende; mit Stand Ende März 2021 haben im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung die meisten Länder, ausgenommen Israel, eindeutig höhere Todesraten, als Österreich. Österreich steht mit 0,102% an zweiter Stelle, nicht weit hinter dem zentral verwalteten „Impfweltmeister“ Israel, wo die Impfungen auch durch seinen gewaltigen Polizei- und Militärapparat durchführt werden. Hätte Kanzler Kurz nach dem Einbremsen der Pandemie im Frühling auch im Herbst und Winter gegenüber Gesundheitsminister Anschober keine Eifersucht aufkommen lassen und dem gesetzlich hauptzuständigen Minister nicht (mit selbst erklärter „Chefsache“) hineinregiert und hätten auch die Landespolitiker sich auf ihre Kompetenz als Durchführende der Impfungen konzentriert, wäre uns der jetzige Lockdown wahrscheinlich erspart geblieben.

Karl Semmler, Bad Blumau

Erschienen am Do, 1.4.2021

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