Das freie Wort

Dubiose Geldtransporte

Geld zieht ja bekanntlich manchmal weite Kreise. Und alles andere als selten nimmt es äußerst seltsame Wege. Wie jetzt eine internationale Recherche von „Profil“, ORF und den deutschen Medien „Welt“ und Südwestrundfunk ans Licht bringt, könnte Geld im Zusammenhang mit Laudamotion und Ryanair äußerst dubiose Pfade eingeschlagen haben. Grundsätzlich ist der Transport von Geld innerhalb der EU legal. Auch eine offizielle Höchstgrenze gibt es nicht. Allerdings müssen Beträge von mehr als 10.000 Euro beim Zoll deklariert werden. Ein Schelm, der an dieser Stelle an viel zu offensichtliche Schlupflöcher denkt, könnte wieder einmal recht bekommen. Zumindest riecht es im Falle Laudamotion bzw. Ryanair danach. Etwa vor rund einem Jahr sah sich die Fluggewerkschaft vida mit ersten seltsamen und rätselhaften Anfragen von Mitarbeitern der österreichischen Fluglinie Laudamotion konfrontiert. Immer wieder meldeten sich Piloten und Flugbegleiter, schilderten ungewöhnliche Vorgänge an Bord. Es war die Rede davon, dass nicht nur Reisende und Flugpersonal vom Boden abheben, sondern auch „Red Bags“ mit Firmengeld des nunmehrigen Eigentümers Ryanair. Teilweise ging es um Summen von bis zu 60.000 Euro, aufgeteilt in Tranchen von stets knapp unter 10.000 Euro pro Bordmitarbeiter. Laut Bericht ist das Geld dann am Ende immer in Dublin gelandet, dem Firmensitz von Ryanair. Klingt irgendwie wie im Film. Ist aber mindestens eine fragwürdige Realität. Natürlich streitet Ryanair sämtliche Vorwürfe ab. Derartige Anschuldigungen und Behauptungen von verärgerten ehemaligen Mitarbeitern seien schließlich unwahr. Nun, die Finanz und die Justiz könnten das letzten Endes eventuell anders sehen. Die Fluggesellschaft vida tut es auf jeden Fall. Weil Vorgänge dieser Art nicht der Normalität von Fluglinien entsprechen. Bargeldeinnahmen von Flügen würden üblicherweise in einen Tresor kommen, von wo sie von einer Geldtransportfirma abgeholt werden. Selbstverständlich gilt wie immer die Unschuldsvermutung. Zumindest der Form halber, auch wenn es noch so schwerfällt. Für mich persönlich stinkt die Sache ganz gewaltig und klingt nach Geldwäsche bzw. Steuerbetrug im abgehobenen Stil.

Christian Stafflinger, Linz

Erschienen am Do, 3.12.2020

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