Das freie Wort

Niemand weiß alles.

Die derzeitige Situation, geprägt durch die Corona-Pandemie, kann schön langsam zu depressiven Verstimmungen führen. Nicht vergleichbar mit einem Schicksalsschlag, bei dem eine Depression mit voller Wucht zuschlägt. Eher ist es wie ein ziehender Schmerz, den man nicht los wird. Die Verstörung wird immer größer, wenn man sieht, wie hilflos die Gesellschaft, die Politik und auch die Wissenschaft darauf reagieren. Für zusätzliche Verwirrung sorgen Meldungen, dass z. B. die Daten von den Infektionen falsch seien, da das epidemiologische Meldesystem überfordert ist und die Behörden mit der Dateneingabe nicht nachkommen, Falscheingaben nicht auszuschließen sind. Dann hört man wieder über jede Menge von Falschbefunden und Unsicherheiten in der Diagnostik. Wenn man, so wie ich es tue, viele Berichte und Diskussionen in allen Medien verfolgt, entsteht nur ein Bild: Niemand weiß wirklich alles über das Virus und sein Verhalten. Jeden Tag treten andere Infektiologen, Epidemiologen, Mathematiker und sonstige Wissenschafter vor die Kamera und vertreten ihre Meinung. Immer bleiben für den Betrachter viele Fragen offen. Sind z. B. kleine Kinder jetzt kaum ansteckend oder gleich viel wie Erwachsene? Da scheiden sich die Geister. Auch wo man sich anstecken kann, ist nicht ganz klar. Immer wieder wurde gesagt, es gebe eine Ansteckung nur von Mensch zu Mensch. Warum muss man dann alle möglichen Flächen desinfizieren? Schön langsam glaube ich an den etwas saloppen Ausspruch eines bekannten österreichischen Epidemiologen, der meinte, jeder wird sich im Laufe des Lebens mit diesem Virus infizieren, außer er stirbt vorher! Impfung ausgeschlossen! Aber auch hier gibt es zu viele Unsicherheitsfaktoren, um daran glauben zu können, dass dies die Pandemie endgültig stoppen wird. Das alles nagt an unserem Gemüt und kann den einen oder anderen schon verzweifelt machen. Daher wäre es dringend nötig, dass mehr positive Gedanken vonseiten der Verantwortlichen in die Welt gesetzt werden.

Franz Unterholzner sen., Salzburg

Erschienen am Di, 24.11.2020

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