Das freie Wort

Tunesische Migranten

Während der vergangenen Tage sind wieder Hunderte junge Tunesier mit einem Dutzend Booten auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa gelandet und hoffen, rasch auf das italienische Festland gebracht zu werden, um weiter illegal nach Westeuropa – speziell Frankreich – ziehen zu können. Angesichts der Tatsache, dass Tunesien ein Land ist, in das wir auf Urlaub fahren und in dem derzeit keinerlei Verfolgungen stattfinden, welche einen Asylgrund rechtfertigen könnten, frage nicht nur ich, wie die EU mit derartigen Anlandungen nachvollziehbar umgeht? Werden diese Menschen einem ordentlichen Asylverfahren zugeführt, oder aber werden sie im Eilverfahren wieder nach Tunesien zurückgebracht? Geschieht das Gleiche mit Anlandenden aus Algerien oder Marokko? Der Verdacht kommt auf, dass speziell nordafrikanische Staaten ihre Hausaufgaben nicht machen, indem sie einerseits nicht den offenbar in großem Rahmen stattfindenden Import von Gummibooten stoppen und andererseits nur halbherzig das Ablegen dieser Boote verhindern. Denn sie wissen, dass ein paar Meilen vor der Küste ohnehin speziell deutsche NGO-Schiffe „lauern“, um diese Migranten in der Regel sicher nach Europa zu schleusen. Solange diese Praktik nicht verlässlich und dauerhaft abgestellt wird und solange NGO-Schiffe trotz oft wochenlanger Warterei vor diversen italienischen oder maltesischen Häfen ihre „Passagiere“ schlussendlich einer nicht gefragten europäischen Allgemeinheit zur weiteren Fürsorge übergeben können, wird weder das Ertrinken von Menschen im Mittelmeer noch das ständige Schleusen von afrikanischen Migranten nach Europa ein Ende haben. Denn es geht – trotz diverser humanitärer Mäntelchen, die man diesem profitablen Geschäftszweig gerne umhängen möchte – in Wahrheit nur um Geld.

Martin Krämer, per E-Mail

Erschienen am Di, 29.9.2020

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