Das freie Wort

Hilfe in der Not

In Norditalien spielt sich eine Katastrophe ab. Das Coronavirus hat alles im Griff, das Gesundheitssystem verdient diesen Namen nicht mehr. Ärzte und medizinisches Personal sind schon in Massen infiziert. Es gibt zu wenig Krankenbetten, es gibt zu wenig einsatzfähiges Personal, und das ist längst überarbeitet und erschöpft. Was es gibt, sind Videos, in denen Lkw zu sehen sind, welche Särge mit den Verstorbenen aus Bergamo abtransportieren. Das ist die Stadt, die in Italien am stärksten vom Coronavirus betroffen ist, mit so vielen Toten, dass Bestattungsunternehmen und Friedhof überlastet sind. Dabei liegt die Sterblichkeitsrate momentan „nur“ bei unter 0,5 Prozent. Jetzt werden die Särge mit den Verstorbenen mit Militär-Lkw zu Krematorien in anderen Regionen gebracht. Hilfe hat Italien in der Situation von Europa nicht zu erwarten. Nachbarländer wie Österreich oder Frankreich haben selbst genug Probleme, andere EU-Länder wie Spanien oder Deutschland genau so. Es gibt also nicht nur keine Hilfe; italienische Medien berichten sogar, dass die Lieferung medizinischer Geräte von Deutschland blockiert wurde. Auch „Focus“ schreibt darüber, da heißt es: „So soll eine Lieferung von 830.000 OP-Masken, die eine italienische Firma aus China bestellt hatte, vergangene Woche in Deutschland blockiert worden sein, obwohl das . Exportverbot von Medizingütern zur Bekämpfung der Epidemie nicht für Transitgüter gilt .“ Die Lieferung wurde zwar später freigegeben, wurde aber nach Angabe der italienischen Firma in Deutschland nicht mehr gefunden. Da fällt mir ein: Wurde dieser Tage nicht auch eine Lieferung von Medizingütern nach Österreich von den Deutschen blockiert? Europäische Staaten können bzw. wollen also nicht helfen. Ein deutscher Politikwissenschafter formulierte das so: „Die EU hat es nicht geschafft, Italien, das derzeit am schwersten betroffen ist, effektiv zu helfen . Viele in Deutschland reden von europäischer Schicksalsgemeinschaft. Aber wenn das Schicksal zuschlägt, scheint es so, dass wir unseren EU-Partnern nicht helfen.“ Der serbische Präsident nennt die europäische Solidarität ein „Märchen auf dem Papier“, und eine chinesische Nachrichtenagentur schrieb: „Wenn Handschläge in Europa nicht mehr gelten, kann Chinas helfende Hand einen Unterschied machen.“ Und China hilft im Kampf gegen das Coronavirus. Wie auf „dw“ zu lesen ist, sind chinesische Mediziner in Italien eingetroffen, geben Ratschläge, geben ihre Erfahrungen weiter. Sie kamen aber nicht mit leeren Händen, sie brachten auch Tonnen an medizinischen Geräten und Medikamenten mit. Und sie helfen jetzt nicht nur Italien, sondern auch Spanien und Frankreich warten auf chinesische Unterstützung, genauso wie Serbien und auch Österreich. Einige Länder haben den Chinesen geholfen, als bei denen die Epidemie auf dem Höhepunkt war, und jetzt bekommen die Helfer die Hilfe zurück – samt Ärzten und deren Erfahrung im Kampf gegen Corona.

Josef Höller, per E-Mail

Erschienen am Di, 24.3.2020

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