Die „heile Welt“ und was (manchmal) dahinter steckt.
Kitzbühel steht bis heute für ein ehrbares Eldorado des Establishments, ein rustikales Refugium der Reichen und Schönen, ein zelebriertes Zentrum jener, die „es geschafft“ haben. Und dann wird plötzlich über Szenen berichtet, die man eigentlich eher aus den waffenvernarrten USA oder sozialen Brennpunkten kennt. Simple Eifersucht kann es nicht alleine sein, die einen jungen Menschen zu so einer Wahnsinnstat verleitet, da muss schon (noch) mehr dahinter stecken. Sicherlich hat eine auch politisch lancierte Polarisierung dazu beigetragen, dass manche Mitbürger heute in einer Art Blase leben, in der nur das zählt und sein darf, was man selbst gerne ist und hätte, zumal der Grat zwischen dem Mund bzw. Wort und der Faust nicht nur anatomisch ein schmaler ist. Das, was nach und nach über den mutmaßlichen Täter bekannt wird, lässt aus meiner Sicht auf eine Persönlichkeit schließen, die materiell bereits vieles hatte, jedoch bisher nicht dazu imstande war, auch unabdingbare charakterliche „Geschenke“ zu erwerben: Etwa zu wissen, dass es notwendig ist, Menschen, ihre Entscheidungen und somit gegebenenfalls auch Grenzen (!) so zu akzeptieren, wie sie sind, weil es nämlich unbestritten auch Werte gibt, die man ganz einfach nicht kaufen kann! „Wohlstandsverwahrlost“ würde ich sie nennen – honorige Herrschaften, die das nicht (an)erkennen.
Florian Stadler, Aschach/Donau
Erschienen am Mi, 9.10.2019
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