Gangster-Epos

Grand Theft Auto IV

Spiele
05.05.2008 16:52
Allerorten spricht man darüber: "GTA IV", der nunmehr vierte Teil der beliebten "Grand Theft Auto"-Serie, hat endlich seinen Weg auf PS3 und Xbox 360 gefunden. Selbst die seriöse "Times" nahm sich des Themas an und lobte den für rund 100 Millionen US-Dollar produzierten Game-Blockbuster: Die Entwickler von Rockstar North seien für Videospiele das, was Harry-Potter-Autorin JK Rowling für die Literatur sei. Nach einem ausführlichen Vorbericht, indem wir auf die Unterschiede zu "GTA III" hingewiesen haben, schildern wir dir nun unseren Gesamteindruck.

Niko Bellic träumt von einem Leben voller Geld, Macht und Frauen. In Liberty City wagt der ehemalige Soldat aus Serbien daher einen Neuanfang. Sein Cousin Roman, ein nach eigenen Angaben gemachter Mann, dem die Frauen nur so zu Füßen liegen, soll ihm dabei behilflich sein. Doch Roman entpuppt sich als einfacher Taxler, der kaum für sich selbst sorgen kann. Allerdings hat Roman Kontakte zu äußerst zwielichtigen Gestalten aus der Unterwelt. Niko, selbst von einer dunklen Vergangenheit geprägt und von dem Wunsch nach Rache angetrieben, wird so schnell zum Handlanger und verstrickt sich immer tiefer in die Machenschaften rivalisierender Gangster-Bosse.

Für den Spieler bedeutet das anfangs vor allem eines: viel Laufarbeit. Gerade die ersten Stunden spielen sich recht linear, die Aufträge beschränken sich auf das Abliefern und Besorgen von Gegenständen und Waren aller Art. Erst nach und nach macht Niko weitere Bekanntschaften, die ihn schließlich mit neuen, zunehmend bleihaltigeren Missionen versorgen. Es folgen größere Waffen, schnellere Autos, mehr Gegner. Das Missionsdesign bleibt ansonsten aber auch nach vielen Stunden über weite Strecken gleich: Auf das Treffen mit einer Kontaktperson folgt die Fahrt zu einem vorgegebenen Ort, wo eine Zielperson entweder gleich oder nach einer Verfolgungsjagd beseitigt wird. "GTA IV" unterscheidet sich in dieser Hinsicht also nur unwesentlich von seinem Vorgänger.

Punkten kann der Titel jedoch mit der Art und Weise, wie diese Missionen in das Spielgeschehen eingebettet wurden: Jeder Charakter wurde bis ins Detail herausgearbeitet und könnte ohne weiteres unmittelbar Coppolas "Der Pate" oder Stones "Scarface" entsprungen sein. In zahlreichen Zwischensequenzen, die vor Gangster-(Pl)attitüden nur so strotzen, entfaltet sich eine Story, die einem jeden noch so schrägen Ganoven ans Herz wachsen lässt.

Zweifelsohne eine weitere Stärke ist die offene Spielwelt von "GTA IV". Dass diese groß sein würde, war von vorneherein klar. Schier unglaublich aber ist, mit welcher Liebe zum Detail diese Welt befüllt und zum Leben erweckt wurde: Polizisten verteilen Strafzettel, Passanten zücken den Regenschirm, sobald sich der Himmel über Liberty City grau färbt, und Müllmänner sammeln den Mist ein. Werbeplakate nehmen in gewohnter "GTA"-Manier bekannte Marken auf die Schippe, zahlreiche Bars, Shops und andere Etablissements laden mit Mini-Spielen wie Billard oder Bowling zum Verweilen ein. Der Bankomat am Eck verrät den eigenen Kontostand, während im Internetcafé die Frau oder der Mann fürs Leben gesucht werden kann. 

Ganz zu schweigen natürlich von den unzähligen Fahrzeugen, die in Beschlag genommen und dank Schadensmodell in ihre Einzelteile zerlegt werden können. Ob Eiswagen, Hummer, Harley, Truck oder Heli: Die Vehikel unterscheiden sich nicht nur optisch voneinander, sie klingen auch anders und steuern sich unterschiedlich. Wer etwa am Steuer eines Lkw sitzt, wird das gleichmäßige Piepen beim Rückwärtsfahren bemerken. Fahrer einer Luxuslimousine müssen ihren Weg hingegen nicht selber suchen, sondern bekommen die richtige Route vom Navi angesagt. Bereits zum Pflichtprogramm gehören während der Fahrt die knapp 20 Radiosender, die Musik jeden Genres und etliche Stunden an Dialog bieten.

Fazit: "GTA IV" muss zweifelsohne als Gesamtkunstwerk begriffen werden. Würde man sich nur auf den Shooter- oder Rennspiel-Aspekt konzentrieren, man würde den Titel aufgrund bockiger Steuerung, zum Teil unfair gesetzten Speicherpunkten und den auf Dauer fehlenden Innovationen im Missionsdesign wohl recht bald frustriert zur Seite legen. Dass es jedoch gar nicht erst soweit kommt, dafür sorgt die unglaublich packende Aufmachung des Spiels. Hier wurde ein Mikrokosmos geschaffen, der wie einst die Märklin-Bahn im Keller den Spieltrieb weckt und für Stunden vor die Konsole fesselt. Und selbst dann, nach Tagen und Nächten in Liberty City, wird man nur einen Bruchteil dessen gesehen und erlebt haben, was das Spiel für einen bereithält. Diese lebendige und ungemein realistische Welt lässt schließlich auch guten Gewissens darüber hinwegsehen, dass sich "GTA IV" im Vergleich zum Vorgänger nur minimal verändert hat (Bericht siehe Infobox).

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Take Two
Krone.at-Wertung: 91%

von Sebastian Räuchle

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Spiele
05.05.2008 16:52
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
krone.at
krone.at
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung