Von Gewalt begleitet

Nepal leitet Abschaffung der Monarchie ein

Ausland
10.04.2008 14:46
Mit der Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung in Nepal hat der Himalaya-Staat am Donnerstag die Abschaffung der Monarchie eingeleitet. Zwei Stunden vor Schluss der Wahllokale hatte bereits die Hälfte der 17,6 Millionen Wahlberechtigten abgestimmt. Die erste landesweite Wahl seit neun Jahren wurde vereinzelt von Gewalttaten begleitet.

Ehemalige maoistische Rebellen steckten in Galkot ein Wahllokal in Brand, nachdem sie zunächst versucht hatten, das Gebäude zu stürmen. Die Polizei nahm 15 Verdächtige fest. In Buthana im Süden des Landes wurde ein Mann bei einer Auseinandersetzung mit politischen Gegnern schwer verletzt und erlag später seinen Verletzungen.

Wegen Protestaktionen wurde die Abstimmung in 20 von insgesamt 20.000 Wahllokalen ausgesetzt. Internationale Beobachter, darunter auch der frühere US-Präsident Jimmy Carter, überwachten den geregelten Ablauf der Abstimmung.

Wichtiger Schritt zur politischen Neuordnung
Die Wahl der 601 Mitglieder starken Sonderversammlung ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur politischen Neuordnung des Himalaya-Staates. Sie soll die endgültige Ablösung der Monarchie einleiten und die ehemaligen maoistischen Rebellen in den politischen Prozess integrieren. Dadurch könnte das arme Land mit seinen 27 Millionen Einwohnern auf dauerhaften Frieden, Stabilität und einen Wirtschaftsaufschwung hoffen.

Das nepalesische Parlament hat Ende Dezember für die Abschaffung der seit Jahrhunderten bestehenden Monarchie gestimmt. Bevor der Beschluss umgesetzt wird, soll noch die Sonderversammlung gewählt werden. König Gyanendra verspielte seine Popularität, als er sich 2005 zum absoluten Herrscher erklärte und zunehmend gewaltsam gegen jede Form von Opposition vorging. Nach Massenprotesten im Jahr 2006 gab er auf.

Auszählung wird bis Ende April dauern
Mit der Bekanntgabe des Ergebnisses wird erst Ende April gerechnet. Zum einen sind manche Wahllokale in dem bergigen Land eine Woche Fußmarsch von der nächsten Straße entfernt, zum anderen dürfte die Auszählung durch ein kompliziertes Proporz-Verfahren für verschiedene Ethnien lange andauern.

Am Mittwoch hatte die Polizei im Westen des Landes auf Demonstranten geschossen und dabei einen Menschen getötet. Die Demonstranten protestierten gegen die Ermordung eines Kandidaten im Bezirk Surkhet am Tag zuvor.

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