Gefährliche Landung

Beinahe-Katastrophe blieb vom Tower unbemerkt

Ausland
06.03.2008 15:02
Das Video des Landeanflugs in Hamburg ging um die Welt. Abgesehen davon, dass trotz des Sturms "Emma" die erst 24-jährige Co-Pilotin am Steuer des Airbus saß, haben die Tower-Mitarbeiter die Beinahe-Katastrophe nicht einmal bemerkt. Sie wurden erst Stunden später von dem Zwischenfall informiert...

131 Passagiere entgingen am Samstag beim dramatischen Anflug des Lufthansa-Airbus nur knapp dem Tod. Nachdem das Amateurvideo mit dem spektakulären Manöver um die Welt gegangen ist, hat die deutsche Bundes-Flugunfalluntersuchung Ermittlungen aufgenommen. Pilot und Co-Pilotin hätten angeblich schon beim Landeanflug erkennen müssen, dass ein Durchstartemanöver unausweichlich war, und gar nicht so tief sinken dürfen. Am Dienstag enthüllte die "Bild"-Zeitung: Nicht der Pilot Oliver A. (39) lenkte die Maschine, sondern die unerfahrene Co-Pilotin Maxi J. (24)!

Demnach habe die Bundesstelle der Flugunfalluntersuchung in Braunschweig bestätigt, dass die junge Co-Pilotin das Flugzeug gelenkt hat. Das anschließende Durchstart-Manöver, mit dem ein folgenschweres Unglück verhindert wurde, nahm der Bundesstelle zufolge dann der Flugkapitän vor. 

Markus Kirschneck von der Pilotengewerkschaft "Cockpit" sagte, dass die Vorgehensweise nicht unüblich sei. "An Bord einer Maschine sitzt immer ein Kapitän und ein Co-Pilot. Die beiden teilen sich den Hin- und Rückflug. Das ist wichtig, damit der Co-Pilot seine Erfahrungen sammelt." Es gelte lediglich eine Ausnahme: "Wenn schlechte Sicht herrscht, muss der Kapitän übernehmen", wird Kirschneck zitiert. Für Wind in Orkanstärke gilt die Regel nicht. 

Landemanöver "verbockt"?
Deutsche Medien, darunter die Magazine "Spiegel" und "Stern", zitierten am Dienstag Luftfahrtexperten, denen zufolge das Manöver geradezu provoziert gewesen sei. Ein Ex-Bundeswehrpilot sagt im Spiegel etwa, das Landemanöver sei schon vor dem Aufsetzen der Maschine "verbockt" worden, das Durchstarten zu spät erfolgt. 

Des Weiteren sollen sich die beiden Flugzeugkapitäne, die 131 Passagiere an Bord des Airbus-Flugzeugs hatten, bei der Landebahn vertan haben. Man sei auf 23 gelandet, hätte aber 33 nehmen sollen, wo weniger Seitenwind gewesen wäre, sagte ein Experte der Bundes-Flugunfalluntersuchung. Pilot Oliver A. entgegnete, die Landebahn hätte über ein Instrumentenlandesystem verfügt und sei die bessere Wahl gewesen. 

"Eine Situation, wie man sie nie in Wirklichkeit üben kann"
Bei der Landung in Hamburg war der Airbus A320 mit 131 Passagieren an Bord von einer schweren Böe erfasst. Dabei berührte die linke Tragfläche den Boden und wurde beschädigt. Die Piloten gaben den Triebwerken vollen Schub und starteten durch. Nach einer Platzrunde setzte der Airbus "Suhl" knapp eine Viertelstunde später problemlos auf. Ein Lufthansa-Sprecher sagte noch am Montag: "Eine Situation, wie man sie nie in Wirklichkeit üben kann." Die Windstärke war an diesem Tag laut den Airbus-Bestimmungen für den A320 übrigens noch unterhalb des Grenzwerts.

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