20.02.2008 18:50 |

US-Vorwahlen

Obama siegt zum zehnten Mal in Folge

Barack Obama eilt bei den US-Vorwahlen von Sieg zu Sieg: Der demokratische Präsidentschaftskandidat hat mit Erfolgen in den Bundesstaaten Wisconsin und Hawaii bereits den zehnten Sieg in Serie gegen seine Herausforderin Hillary Clinton errungen. Die Frau des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton reagierte auf ihre Niederlage mit Kritik an Obama und warf ihm vor, nur schöne Worte, aber keine Taten anbieten zu können. Bei den Republikanern ist Senator John McCain die Präsidentschaftskandidatur nach weiteren Siegen in Wisconsin und im US-Staat Washington kaum noch zu nehmen.

Bei den Vorwahlen in Wisconsin am Dienstag (Ortszeit) hat Obama Clinton mit einem klaren Vorsprung von mehr als fünfzehn Prozent geschlagen. Und auch in Hawaii konnte sich Obama durchsetzen. Mit 76 Prozent der Stimmen liegt er dort klar vor Clinton, die nur schwache 24 Prozent erringen konnte. Sein Sieg auf Hawaii war erwartet worden: Obama wurde auf der Inselkette geboren.

In den vergangenen zwei Wochen hat der afroamerikanische Senator damit zehn Vorwahlen gewonnen und ist damit am besten Weg, im November von den Demokraten offiziell ins Rennen um die US-Präsidentschaft geschickt zu werden.

Clinton unter Druck
Zwar kann Clinton Obama noch einholen, sie steht aber jetzt unter erheblichem Druck, die nächsten Vorwahlen Anfang März in den großen Bundesstaaten Texas und Ohio zu gewinnen. Clinton und Obama müssen bei den Vorwahlen insgesamt 2.025 Delegierte gewinnen, um auf dem Parteitag im Sommer zum Kandidaten ausgerufen zu werden. Dem US-Sender CNN zufolge liegt derzeit Obama insgesamt mit 1.301 Delegierten vor Clinton mit 1.239.

Clinton in Texas leicht vorne
Umfragen zufolge liegt Clinton in Texas und Ohio leicht vorn. Allerdings sind die Ergebnisse aus Wisconsin kein gutes Zeichen für die Chancen der ehemaligen First Lady in Ohio, denn die Bundesstaaten sind einander in vielen Punkten ähnlich. In beiden gibt es einen großen Anteil von Arbeitern, die eigentlich als Clintons Stammwähler gelten und beide lassen Parteilose zu den Vorwahlen zu. Obama gewann jedoch in Wisconsin bei allen Einkommens- und Bildungsschichten hinzu und zog die Parteilosen auf seine Seite. Der Mann, der der erste schwarze Präsident der USA wäre, baute seine Anhängerschaft auch unter den Weißen aus. Deren Anteil ist in Wisconsin mit 90 Prozent überdurchschnittlich hoch.

Nächste Vorwahl am 4. März
Die Zahlen unterstreichen die Bedeutung der nächsten Vorwahlrunde am 4. März, bei der allein in Texas und Ohio 334 Delegiertenstimmen zu verteilen sind. Entsprechend reisten beide Demokraten sofort nach der Abstimmung weiter. "Wir sind noch Monate und meilenweit von dem Wandel entfernt, den wir haben wollen", rief Obama 18.000 Anhängern in Houston zu. "Und wir brauchen die Hilfe der guten Bürger von Texas, um dahin zu kommen."

Clinton ging in Ohio nicht auf das Ergebnis aus Wisconsin ein. "Reden genügen nicht", erklärte sie vor Anhängern in Youngtown, ein Seitenhieb auf die rhetorischen Fähigkeiten ihres Widersachers. "Wir brauchen Lösungen."

"Yes we can"-Sprechchöre
Zu den Vorwürfen Clintons, er habe keine Erfahrung, sondern nur schöne Worte zu bieten, sagte Obama, er sei nicht naiv. "Der Wandel, den wir anstreben, ist noch Monate und Meilen entfernt", sagte Obama, der sich für einen schnellen Abzug der US-Truppen aus dem Irak einsetzte. Seine Rede wurde mehrfach von Sprechchören "Yes we can" (Ja, wir schaffen es) unterbrochen. Seine Anhänger in Texas rief er auf, von der Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe vor der Vorwahl am 4. März Gebrauch zu machen.

Obama gelang es in Wisconsin offenbar, weiter in die Wählergruppen einzudringen, die bisher Clinton den Vorzug gegeben hatten. So erhielt er nach Ergebnissen von Wählernachfragen mehr Stimmen der weißen Wähler als Clinton. Bei den Frauen konnte er mit seiner Rivalin gleichziehen. Von den demokratischen Wählern in Wisconsin nahmen 15 Prozent zum ersten Mal an einer Vorwahl teil. Wichtigstes Thema der demokratischen Wähler waren Wirtschaft und Handel. Sieben von zehn Befragten gaben an, dass sie besorgt darüber seien, dass der Handel mit anderen Ländern auf Kosten der Arbeitsplätze in Wisconsin gehe.

John McCain baut Vorsprung aus
Bei den Republikanern baute Senator John McCain seinen großen Vorsprung weiter aus. Der Vietnamkriegsveteran erhielt in Wisconsin 55 Prozent der Stimmen, Exgouverneur Mike Huckabee kam auf 37 Prozent. Im Staat Washington erhielt McCain nach vorläufigen Ergebnissen 49 Prozent der Stimmen, Huckabee 21 Prozent.

McCain sagte vor Anhängern in Columbus, Ohio, er sei nun sicher, dass er die Republikanische Partei in die Präsidentschaftswahl am 4. November führen werde. In Anspielung an Obama sagte McCain: "Ich werde jeden Augenblick an jedem Tag in diesem Wahlkampf darum kämpfen sicherzustellen, dass die Amerikaner nicht von einem eloquenten, aber inhaltsleeren Aufruf zum Wandel getäuscht werden."

Die eigentliche Präsidentenwahl findet im November statt. Präsident George W. Bush darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.

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