Spitze des Eisbergs

Deutsche-Post-Chef Zumwinkel zurückgetreten

Ausland
16.02.2008 00:37
Aus für Klaus Zumwinkel. Einen Tag nach der Aufdeckung der Steueraffäre hat der 64-jährige Topmanager am Freitag seinen Platz an der Spitze der Deutschen Post aufgegeben. Darüber hinaus soll er auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom räumen. Der Fall Zumwinkel soll jedoch erst die Spitze des Eisberges sein: In der sogenannten Liechtenstein-Steueraffäre sind möglicherweise Tausende Verdächtige ins Visier der Fahnder geraten.

Die Ermittlungen gegen Zumwinkel könnten der Auftakt einer Welle von Verfahren gegen Kunden der LGT-Bank der liechtensteinischen Fürstenfamilie sein. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat am Freitag bestätigt, dass bei der Behörde mehrere hundert Steuerverfahren anhängig sind. Mit den Unterlagen zu Postchef Klaus Zumwinkel seien Hinweise auf andere Fälle eingegangen, sagte ein Sprecher der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen in Bochum.

Nach Medienberichten sollen zahlreiche Prominente Gelder am Fiskus vorbei ins Steuerparadies Liechtenstein geschleust haben. In den nächsten Tagen könnten daher in ganz Deutschland Razzien anlaufen, hieß es im "Handelsblatt" mit Berufung auf Ermittlerkreise. Die Fahnder haben nach diesen Informationen offenbar massenhaft Unterlagen aus der LGT-Bank erhalten. "Wir haben die ganze Bank geknackt", sagte ein Ermittler. 

Dem 64-jährigen Zumwinkel, der seit rund 18 Jahren an der Spitze der Deutschen Post stand, wird vorgeworfen, Gelder in einer liechtensteinischen Stiftung versteckt zu haben. Bei einer Razzia am Donnerstag wurden das Privathaus Zumwinkels in Köln und dessen Büro in der Bonner Konzernzentrale durchsucht. Ein Haftbefehl gegen den Postchef ist am Donnerstag nach seiner Vernehmung durch die Bochumer Staatsanwaltschaft gegen eine Kaution ausgesetzt worden.

Heftige Debatte über Managergehälter
Der Vorfall hat unterdessen eine neue Debatte über die Verantwortung hoch bezahlter Manager entfacht. "Man darf sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen nach allen Umfragen an der Ausgestaltung unserer sozialen Marktwirtschaft ihre zunehmenden Zweifel haben", sagte Verbraucherminister Horst Seehofer im ZDF. 

Herzog sagte am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner", wenn sich der Verdacht gegen den Postmanager bestätige, dann sei er "dran". Anderenfalls müsse Zumwinkel rehabilitiert werden. Grundsätzlich seien viele Managergehälter einfach zu hoch, sagte Herzog. "Ich verstehe nicht, warum die Leute so viel Geld wollen."

"Habgier auf Kosten der Mitarbeiter"
CSU-Vizechef Seehofer sagte in der Sendung, der Fall solle genutzt werden zu diskutieren, ob zu einem ordentlichen Wirtschaften nicht auch ein ethischer Bezug gehöre. Bewerten wolle er den Fall Zumwinkel aber noch nicht. Sahra Wagenknecht, Vorstandsmitglied der Linken, warf den Managern Habgier auf Kosten der eigenen Mitarbeiter vor. Dass sie teils das 200-Fache eines Arbeiters verdienten, sei irrwitzig. Die Kontraste zwischen Champagnerpartys und Suppenküchen werde in der Gesellschaft als zutiefst ungerecht empfunden.

"Moralischer Schaden erheblich"
Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück sieht deutliche negative Folgen die Vorwürfe der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe gegen Zumwinkel. "Der moralische Schaden ist erheblich, so wie das bei seinen Aktienoptionsgeschäften auch gewesen ist", sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Wenn die Menschen so etwas als Vorbild hätten, "dann verzweifeln sie an diesem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem".

Satte Pension in Aussicht
Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge stehen dem Deutsche-Post-Chef nach dem Ausscheiden aus dem Amt 1,07 Millionen Euro Pension im Jahr zu - fast 90.000 Euro im Monat. Das Blatt berief sich am Freitag auf den Geschäftsbericht 2006. Das Ruhegeld beziehe sich auf den fixen Teil von Zumwinkels Gehalt, das 2006 bei 1,43 Millionen Euro gelegen habe.

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