Die Pille im Zahn

Zahnprothese verabreicht Medikamente

Wissenschaft
23.01.2008 12:46
Ein zwölfköpfiges Forscherteam der Chemie-Fakultät an der Universität von Palermo hat einen im Mund der Patienten angebrachten Medikamentendosierer in Form einer Zahnprotese vorgestellt. „Es handelt sich um eine kleine Prothese, die anstelle des Weisheitszahns oder als wieder entfernbares Zahnimplantat montiert wird und das Medikament in feinster Dosierung freisetzt“, erklärt der süditalienische Wissenschaftler Libero Italo Giannola.

„Der große Vorteil dabei ist nicht nur, dass der Patient sich nicht ständig an die Einnahme erinnern muss, sondern dabei auch problemlos sprechen und essen kann“, sagt Giannola. Der Kunstzahn ist außer dem Arzneimittelspeicher mit einem winzigen Mikrochip ausgestattet, der den Zeitpunkt und die Menge der Verabreichung mit hoher Genauigkeit steuert. Auf diese Weise ist eine viel genauere Medikation mit teilweise auch geringeren Dosen möglich.

Für das Nachfüllen kann der Patient selbst über eine Fernsteuerung sorgen, die ihm dazu auch den richtigen Zeitpunkt signalisiert. Das inzwischen patentierte Verfahren ist besonders für Patienten geeignet, die unter Langzeitkrankheiten wie Bluthochdruck, Alzheimer oder Mundkrebs sowie Drogenabhängigkeit leiden. Es kann auch die Verabreichung durch Spritzen ersetzen, und somit die Gefahr von Nebenwirkungen wie Schmerz- und Infektionsentwicklung eindämmen.

Drogensüchtige mit 111 Mal niedrigerer Dosis behandelt
Getestet wurde die der Medikamentenzahn auch an acht Drogensüchtigen in Israel, die im Vergleich zur herkömmlichen Tabletteneinnahme mit einer 111 Mal niedrigeren Dosierung des Entzugsmittel Naltexon erfolgreich behandelt wurden. „Jetzt wäre es an der Zeit, die neue Technik mit anderen Medikamenten und an anderen Krankheitsbildern auszuprobieren“, meint Giannola abschließend. „Dazu brauchen wir noch einen finanzstarken Partner.“ An der drei Jahre dauernden Entwicklung des „IntelliDrug“  (so heißt der Kunstzahn) waren auch israelische, polnische, deutsche, spanische und Schweizer Wissenschaftler beteiligt. (pte)

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