"Ipswich-Ripper"
Prozess um Prostituiertenmorde in England
Der Tatverdächtige - zwei Mal geschieden, drei Kinder, bis zu seiner Verhaftung wohnhaft in einem Reihenhaus am Rande des Rotlichtviertels von Ipswich - hat mehrfach bestritten, der seinerzeit wochenlang gesuchte "Würger von Ipswich" zu sein. Angaben von Prostituierten zufolge soll der 48-Jährige, der zuletzt mit einer zehn Jahre älteren Frau zusammenlebte, in der Szene auf jeden Fall Stammkunde gewesen sein.
Opfer verdienten ihr Geld am Straßenstrich
Die fünf Opfer im Alter zwischen 19 und 29 Jahren waren drogensüchtig und verdienten ihr Geld auf dem Straßenstrich im Rotlichtviertel der Stadt. Die Ankunft des Mannes, den britische Medien als "Würger von Ipswich" bezeichneten, wurde von einem Großaufgebot an Reportern und Fotografen begleitet. Der Angeklagte, der in einem dunkeln Anzug mit weißem Hemd und dunkler Krawatte erschien und von Sicherheitsbeamten flankiert wurde, wirkte äußerlich ruhig.
Am ersten Verhandlungstag musste W., der einst auch als Steward auf dem Luxus-Kreuzfahrtschiff "Queen Elizabeth II" tätig war, zunächst nur seine Identität bestätigen. Der Abstimmung seines Anwaltes mit dem Richter und dem Staatsanwalt über den weiteren organisatorischen Verlauf des Prozesses hörte er anscheinend gelassen zu. In der Untersuchungshaft hatte W. seine Unschuld in einem dreiseitigen Brief beteuert. Er bete, hieß es darin unter anderem, dass er eines Tages aufwache und erkenne, dass die Vorwürfe gegen ihn und das Verfahren "nur ein böser Traum sind".
Staatsanwalt fordert lebenslange Haft
Über Schuld oder Unschuld müssen am Ende des Prozesses Geschworene entscheiden. Die Staatsanwaltschaft strebt aller Voraussicht nach eine lebenslange Haftstrafe an. Sie will beweisen, dass W. ungeachtet seiner Unschuldsbeteuerung der Mann war, der im Spätherbst 2006 Gemma Adams (25), Tania Nicol (19), Anneli Alderton (24), Paula Clennell (24) und Annette Nicholls (29) brutal ermordet hat. Zu den möglichen Motiven haben sich die Ankläger bisher nicht geäußert.
Der Fall hatte in Großbritannien eine politische Debatte über das Schicksal von Prostituierten ausgelöst, die ihren Lebensunterhalt im Königreich weitgehend illegal bestreiten und meist völlig schutzlos sind. Nach den Morden hatten mehrere Hilfsorganisationen den Prostituierten in Ipswich Unterstützung bei der Überwindung von Drogenproblemen und der Suche nach einer legalen Beschäftigung angeboten. Viele von ihnen nutzten diese Möglichkeiten, so dass im einstigen Rotlichtviertel der Stadt heute nur noch selten Frauen der Prostitution nachgehen.
Englische Polizei in Kritik geraten
Die Mordserie hatte in Großbritannien eine politische Debatte über das Schicksal von Prostituierten ausgelöst, die ihren Lebensunterhalt im Königreich illegal bestreiten und meist völlig schutzlos sind. Zudem war die Polizei in die Kritik geraten: Ihr wurde vorgeworfen, zunächst nicht energisch genug nach einem Mörder gesucht und dann vorschnell einen Schuldlosen als Täter präsentiert zu haben. Dieser damals 37-jährige Mann war den Medien mit vollem Namen präsentiert worden, musste jedoch bald wieder freigelassen werden.



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