Sprit aus Müll

Treibstoff aus Industrieabfällen in Italien

Wissenschaft
07.01.2008 16:06
Treibstoffe für Traktor, Mähdrescher und Co. können aus Industrieabfällen kostengünstig hergestellt werden. Ein Unternehmen in Italien hat ein neuartiges Verfahren entwickelt, mit dem aus einer Tonne nicht-metallischen Abfällen in einem verhältnismäßig umweltschonenden Verfahren in wenigen Stunden bis zu 850 Liter Sprit produziert werden. Der Treibstoff taugt für den Betrieb von Dieselmotoren und sogar Turbinen.

Neben dem Industriemüll-Treibstoff, dessen Energieausbeute die von Dieselöl noch übertreffen soll, fallen pro umgewandelter Tonne Abfall zusätzlich 100 kg Methan, Propan und andere verwertbare Gase an.

Die Produktionskosten werden den Erwartungen der Techniker zufolge bei einer großindustriellen Anwendung nur drei Prozent des Wertes der Endprodukte ausmachen. Im März 2009 soll in Campone bei Pavia eine Anlage in Betrieb genommen werden. An dem Projekt haben sich die Landesregierung der Lombardei mit einem Zuschuss von 900.000 Euro und 30 private Investoren mit sieben Millionen Euro beteiligt.

„Es handelt sich um eine der Pyrolyse ähnliche Technologie, bei der die Molekularverbindung zwischen den Kohlen-, Wasser- und Sauerstoffatomen neu geordnet wird", erklärt der Chemiker Giuseppe Zanoni von der Universität Pavia. „Dank der Verwendung von Katalysatoren und der speziellen Bauweise der Anlage erfolgen die chemischen Reaktionen statt der herkömmlichen 600 bis 1.000 Grad bereits bei 350 Grad Celsius. Das ist mit vielen energetischen und ökologischen Vorteilen verbunden.“

Treibstoff wird wie Alkohol „destilliert“
In der wie eine Ölraffinerie arbeitenden Anlage wird das bis auf einen Millimeter Durchmesser zerkleinerte, anschließend gereinigte und auf 20 Prozent Feuchtigkeit getrocknete Material mit dem Katalysatorstoff vermischt und stufenweise erhitzt. Die frei werdenden Gase werden ähnlich wie bei der Destillation von Alkohol in einer Siedekolonne aufbereitet und in einem zehn Meter hohen Kolben abgekühlt, um anschließend als Brennstoff in Tanks gelagert zu werden.

Das vollautomatisch arbeitende und von der Außenluft abgeschlossene System benötigt nur zehn Prozent der von ihm erzeugten Energie. Es funktioniert rund um die Uhr und braucht nur alle drei Monate gewartet werden. Außerdem ist es frei von Kohlendioxid-, Dioxin- und anderen Schadstoffemissionen, heißt es. Bereits im kommenden Jahr sollen sechs bis acht größere Anlagen mit einer Produktionskapazität von jeweils 1.000 Litern pro Stunde in Italien, Brasilien, Kanada und den Vereinigten Staaten gebaut werden.

Quelle: pte

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